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  • AutorenbildErnie - Ernst Scheiner

Fercullen. The Making of Whiskey

Aktualisiert: 29. Dez. 2023





Fercullen. Powerscourt


published in Highland Herold Winter 2019

mit Erweiterungen und Aktualisierungen Dezember 2023


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Alarmglocken schrillten. Scheiben zerbarsten. Flammen loderten in der Nacht aus dem oberen Stockwerk. Am Morgen sahen die Augen eine bis auf die Mauern ausgebrannte Ruine, ohne Dach, Decken und Fenster. Ein Kaminfeuer löste die Katastrophe aus. Wertvolles Inventar, italienische Stuckarbeiten und Malereien der Repräsentationsräume waren zerstört. Die englisch-irische Unternehmerfamilie Slazenger – Sportartikelproduzent und Erfinder des Wimbledon-Tennisballs – hatten wenige Monate zuvor die Renovierung des palladianischen Schmuckstücks irischer Feudalarchitektur abgeschlossen.


Feudaler Ort

Entsprechend des Zeitgeistes ließ der First Viscount of Powerscourt 1730 ein Domizil vom deutsch-stämmigen Architekten Richard Castle entwerfen. Die aus der Antike ererbten Harmonie- und Symmetriemuster des Andrea Palladio aus dem Veneto schmücken ein Herrensitz, der die politische und wirtschaftliche Macht der Großgrundbesitzer der Wingfeld Family dokumentierte. Bis 1999 hatten sie sogar als Iren englischer Herkunft einen Erbsitz im britischen House of Lords. Imposant demonstriert das schlossartige Anwesen aristokratische Feudalherrschaft in der landschaftlich grandiosen Situation der Wicklow Mountains.


Powerscourt und Fercullen. Copyright Powerscourt Distillery.

Eingebettet in die sanften Hügel verbindet sich im arkadisch-mediterranen Park die Formensprache der Renaissance mit einer riesigen Freitreppe. Die griechischen und römischen Mythen Pegasus, Nike und Diana leiten in eine klassisch „englische“, von Menschenhand arrangierte Natur über, die harmonisch in eine pastoral-romantische Wiesen- und Waldlandschaft hinübergleitet an deren Horizont der Great Sugar Loaf Ó Cualann majestätisch thront. Jährlich bestaunen eine halbe Million Touristen das architektonisch spektakulär geplante Naturschauspiel wenige Meilen südlich der Metropole Dublin.


Nach der Renovierung im Jahre 1997 erstrahlt Powerscourt House in seiner hochherrschaftlichen Pracht. The Lonely Planet wählte es weltweit unter die Top Ten der Mansion Houses. National Geographic kürte den Park zum drittschönsten der Erde, nach Versailles und Kew Gardens. Player der beiden anspruchsvollen PGA-Golfplätze genießen ihre Erfolge mit einem tiple of Fercullen im McGills Lounge des noblen Five Star Powerscourt Hotel. Nebenan im erweiterten historischen Mühlengebäude des Powerscourt Estates destillieren mittlerweile drei schottische kupferne Brennblasen unter der Aufsicht des renommierten Master Distillers Noel Sweeney einen typisch irischen Pot Still Whiskey.



Ein neuer Start mit Noel Sweeney

Kein geringerer als Irlands meistdekorierter Whiskey-Macher Noel Sweeney veröffentlichte im November 2018 überraschend drei Whiskeys unter dem Label Fercullen: einen zehn Jahre alten Grain Whiskey, einen vierzehn Jahre alten zweifach gebrannten Single Malt Whiskey sowie einen Premium Blend. Der erste Fercullen Spirit sprudelte jedoch erst Ende Juni 2018 durch den Spirit Safe der neu errichteten Powerscourt Distillery. Jetzt bereits Whiskey? Zauberei? Der walisische Temperenzler und Prime Minister David Lloyd George hatte doch 1915 bzw. 1916 im Immature Spirits Restriction Act des Vereinigten Königreichs, Irland war damals ein Teil davon, eine Mindestreifezeit des Whiskeys von zunächst zwei, dann drei Jahren in Fässern vorgeschrieben. Diese politisch motivierte Regel gilt nach wie vor in der Republic of Ireland und der Europäischen Union.


Auslöser ist die Irish Whiskey Renaissance

Nun, die Antwort ist schlüssig, sie bedarf aber einer Klärung. Der irische Entrepreneur Dr. John Teeling hatte 1987 vom irischen Staat eine marode Potato Peel Distillery im County Louth erworben. Statt Ethanol für die pharmazeutisch-chemische Industrie zu produzieren, plante der Dubliner den irischen Whiskey-Markt mit Whiskeys wiederzubeleben. Einer seiner wichtigsten Mitarbeiter war ab 1989 der studierte Lebensmittelchemiker Noel Sweeney (Dublin City University und University of Limerick, MSc, T.Q.M.). Das Handwerk des Destillateurs erlernte der aus Galway stammende Spezialist als Quality Manager in einer staatlichen Distillery in Donegal. Dort war er verantwortlich für die Produktion von Neutralalkohol. Als eine von ihm ausgebildete Mitarbeiterin Cooley verließ, wechselte Noel zu Teeling und wurde dort zunächst Quality Manager. Er beaufsichtigte die Destillationsprozesse der Column Stills und Pot Stills. Die Schotten, zuerst Alan Jappie (nur sehr kurze Zeit, wegen einer Krankheit) und später Gordon Mitchell steuerten die Destillation. Beide wurden ebenso wie Billy Walker seine Lehrmeister.


Dr. John Teeling und Noel Sweeney bereicherten die Irische Whiskey-Landschaft


Alle sechs Monate setzte er sich mit dem anerkannten Master Blender Walker – BenRiach, GlenDronach, GlenAllachie – zusammen, um die Cooley Whiskeys zu kreieren. Nach einer Weile sagte Billy zu ihm: “Du brauchst meine Hilfe nicht mehr, Du kannst das auch alleine.“ Nach dem Rückzug der Schotten prägte Noel als Master Distiller und Master Blender das Cooley-Portfolio, das die Whisky-Welt faszinierte. 2008 kürten Juroren der International Wine and Spirit Competition das Team zur World Distillery of the Year. In Riverstown wurden zunächst in zwei, dann später in drei Column Stills neben hochprozentigen Grain Spirits aus Mais gleichfalls nicht-rauchige und rauchige Spirits aus hundert Prozent gemälzter irischer oder schottischer Gerste in zwei ursprünglich aus Scotland stammenden Brennblasen zweifach destilliert. Sweeneys Kreationen waren die Eigenmarken Greenore, Tyrconnell, Connemara, Kilbeggan, Locke sowie die Fremd-Labels Michael Collins, Feckin, Danny Boy, Malony oder Ken Lough und viele andere mehr. Sie begründeten die Irish Whiskey Renaissance. Belobigungen, Preise und Goldmedaillen pflastern Sweeneys Weg, der ihn 2017 in die Hall of Fame des britischen Whisky Magazine führte.


„Für uns ist es ein absolutes Privileg,
mit Noel zusammenarbeiten zu dürfen,“

freut sich Alex Peirce, CEO der neu gegründeten Powerscourt Distillery.


Woher kommen die neuen Fercullen Whiskeys tatsächlich?

Es ist simple, denn seit Januar 2017 verantwortet Noel Sweeney die gesamte Produktion der neu gegründeten Brennerei. In seinem Gepäck hatte der Westire einige Fässer in denen Cooley Grain- und Malt-Whiskeys reiften. Aus diesem Fundus, den die Eigentümer der Brennerei seither systematisch erweiterten, kreierte der Master Blender im Sommer 2018 drei markante Fercullen Whiskeys. Mit dem Namen knüpfen die Distiller an ihre keltische Tradition an. Die gälischen Vorfahren bezeichneten die pittoreske Landschaft sowie die am Fuße der Wicklow Berge lebenden Menschen als FeraCulann oder als Menschen von Cuala (anglisiert). Der Dubliner Alex Peirce betont:


„Wir möchten den lokalen Bezug zu den Menschen, der Landschaft, der Geschichte und der natürlichen Schönheit von Powerscourt verstärken.
Wir verwenden reines Wasser, das von den umliegenden Wicklow Hills in das Estate gefiltert wurde, und wir befinden uns in der Nähe einiger der besten Gerstenanbaugebiete Irlands.“

Er rechnet mit 30 000 Besuchern jährlich.




Finanzierung, wie geht das?

“Die wichtigste Person einer Brennerei ist der Distiller, you have to have a good distiller,” meint denn Peirce. Die Whisky-Welt staunte verblüfft, als der Master Blender Noel Sweeney nach 27 Jahren kreativer Aktivitäten, die mittlwerweile zum Global Player Beam-Suntory gehörende Cooley Distillery verließ.


„Ich hatte Angebote aus Übersee wie Kanada oder Neuseeland, aber was mich wirklich an Powerscourt reizte, war, dass die Familie Peirce bereits den Aufbau einer Destillerie (Arran) von Grund auf durchlaufen hatte und diese auf einem überfüllten Markt für Scotch zum Erfolg führte.
Mich reizte das Mitspracherecht bei der Planung und Einrichtung der Destillerie.
Ausschlaggebend war die Leidenschaft aller, die am Projekt beteiligt waren."

Bereits im August 2016 war Alex dieser Headhunter Coup gelungen. Der dynamische Motor des Powerscourt Distillery Project legte damit eines der entscheidenden Fundamente für die zukünftige Entfaltung.


Alex Peirce, der Dubliner Director of Business Development des Softwaretechnologie-Unternehmens ASAVIE, hatte eine Idee spontan aufgegriffen und ihr Potential erkannt. Im Zuge der Irish Whiskey Renaissance träumten die lokalen mittelständischen Unternehmer Gerry Ginty und Ashley Gardiner von einer Boutique-Brennerei, die sie idealerweise in der ehemaligen Sägemühle des Powerscourt Estates sahen. Die örtlichen Unternehmer Gerry Ginty und Ashley Gardiner sind ebenfalls Mitbegründer der neuen Brennerei. Ihre Investition von 10 Millionen Euro, schaffte 30 Arbeitsplätze in der Bauphase. In Betrieb sollen nach ihren Plänen 18 Vollzeitstellen die Brennerei ausfüllen.


Gerry, der im nahe Powersport liegenden Dorf Enniskerry - hier wohnte Chris de Burgh - geboren und aufgewachsen ist, war zuvor als Unternehmensberater beim Londoner Konzern Accenture Carreers & Oportunities tätig, und erfüllte sich den Traum von einer eigenen Distillery. Er ist ein Schwager von Ashley Gardiner.


Zusammen mit der Slazenger Family entwickelten sie einen Joint-Venture-Wirtschaftsplan und erreichten 2015 trotz Bedenken des Denkmalschutzes eine Genehmigung zum Bau einer Craft Distillery. Die graue Eminenz der Irish Distillers von Midleton Roy Court sollte die Brennverfahren aus einer örtlich wachsenden Gerste umsetzen. Die Finanzierung war allerdings nicht ausreichend gesichert. Aus anfangs vage geschätzten 500 000 Euro wurde ein Bedarf von mehreren Millionen. Die Familien Ginty, Gardiner und Slazenger mussten erkennen: das Vorhaben war eine Nummer zu groß. Sie suchten deshalb nach nationalen und internationalen Investoren.


Investoren gesucht, wer macht mit?

In Irland ist die Welt klein. Im Januar 2016 erinnerte sich Ashley an seinen Schulfreund Alex und dessen Vater, Dr. Michael Peirce. Hatte dieser doch Erfahrungen im Whisky-Business gesammelt. Ein Wirtschaftsstudium an der University of Edinburgh brachte Alex und seinen Vater in die Nähe des Single Malts. Während der Besuche des Sohnes knüpfte er über einen Geschäftspartner Kontakte zum schottischen Whisky-Business.


Anfang der 1990er Jahre brachten sie den Dubliner Hightech-Unternehmer zu einem finanziellen Engagement, das zur Gründung einer Distillery auf der Insel Arran führte, deren erster Manager Gordon Mitchell war. Noch heute ist der mittlerweile in Guernsey lebende renommierte Förderer von irischen Startups der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses der Isle of Arran Distillers Ltd. Sohn Alex selbst hat allerdings im Whisky-Metier wenig Erfahrung, dafür jedoch Verkaufs- und Kommunikationskompetenzen im Technologiesektor, die er Irland und den USA erwarb:


„Ich habe nicht die Narben, die mein Vater vom Bau der Destillerie in Arran hat, aber ich hätte sicherlich viel Zeit und viele lange Nächte damit verbracht, über die Herausforderungen zu diskutieren, die sie damit hatten."

Der clevere Necomer sicherte mit Hilfe der Finanzberater von Investect nicht nur öffentliche Zuschüsse, sondern ebenfalls beträchtliche Einlagen aus den Familienschatullen Peirce, Ginty, Gardiner und Sarah Slazenger. Die Managerin des wirtschaftlich sehr erfolgreichen 400 Hektar großen Powerscourt Estate gestand:


"Ich wusste überhaupt nichts über Whiskey, aber je mehr wir ihn uns angesehen haben, desto mehr dachten wir, dass da etwas dran ist."

Weitere zwanzig Shareholders kamen mittlerweile hinzu. Mastermind Alex Peirce:


„Das neue Investitionsvolumen der neuen Distillery beläuft sich für die ersten Jahre auf über zwanzig Millionen Euro, aber es kann ansteigen.“

Anlässlich der stilechten und eindrucksvollen Erweiterung sagte der Managing Director: „Die Eröffnung unseres Besucherzentrums ist eine wichtige Etappe in einer sich entfaltenden Whiskey-Geschichte auf dem Powerscourt Estate. Von der Getreideannahme, über das Mahlen, Maischen, Fermentieren, Destillieren, Füllen und Reifen findet hier alles statt. Das Besucherzentrum bietet eine hervorragende Umgebung, um all diese Prozesse kennenzulernen und gleichzeitig die reiche lokale Geschichte und die natürliche Schönheit dieses Ortes zu entdecken."


Neues Team mit Manager Paul Corbett im August 2022. Fotos Copyright Powerscourt Distillery


In kürzester Zeit war es Alex Peirce von September 2016 bis Dezember 2017 gelungen, zehn Millionen Euro von Equity Funds zu sammeln. Das Geld kam vom Dubliner Finanzdienstleister Joint Venture Goodbody-Baker Tilly EIIS, der amerikanischen Investmentgesellschaft Invesco sowie anderen. Von diesen Mitteln stellte der Geschäftsführer über drei Millionen für den Bau der Brennerei und rund fünf Millionen Euro für den systematischen Ausbau der zukünftig benötigten Whisky-Vorräte bereit. Im Jahr 2018 kamen weitere 9,3 Millionen Euro dazu, darunter zusätzlich Mittel von der Slazenger Family sowie drei Millionen von anderen Investoren. Der EIIS Fund steuerte darüber hinaus 4,3 Millionen Euro bei und erhöhte im März 2019 noch einmal das Engagement um 1,5 Millionen Euro. Damit summierte sich das investive Kapital auf einen ansehnlichen zweistelligen Millionenbetrag.


"Was die Kapazität betrifft, sind wir eine mittelständische Brennerei.
Die Landschaft in Irland gliedert sich im Wesentlichen in drei recht erkennbare Gruppen, sehr große Brennereien mit mehr als 20 Millionen Litern Jahresproduktion, in mittlere bis zu drei Millionen Litern und in kleinere um die hunderttausend Liter,“

erklärt Geschäftsführer Alex Peirce,


„unser langfristiges Ziel ist es, eine jährliche Produktionsrate von einer Million Liter reinen Alkohol zu erreichen.“

Realisierung, eines Bauprojekts

Die Umsetzung verlief rasant. Positive Strategiegespräche mit den Initiatoren und den Grundbesitzern gingen im Februar 2016 voraus. Sie setzten den Entwicklungsrahmen.

Alex:

„Die ursprüngliche Idee einer kleinen Craft Distillery wurde von den Familien Gardener, Ginty und Slazenger modifiziert.
Wir hatten nunmehr Größeres vor. Arran war unser Vorbild.“

CEO Alex Peirce

Im August 2016 gründeten sie mit Alex Peirce als Direktor eine neue Gesellschaft. Überraschend für Außenstehende wurde in Zusammenarbeit mit irischen Architekten und dem schottische Anlagenbauer Richard Forsyths Baupläne noch vor Sweeneys Eintritt schnellstens entwickelt und in kürzester Bauzeit umgesetzt. Im August 2017 begann der Rohbau der Anlage. Forsyth lieferte bereits Anfang Januar bis Anfang Juni 2018 Teile des Equipments. Lokale Handwerker installierten Zug um Zug Leitungen, Heizkessel und die Stromversorgung. Bei diesem Entstehungsprozess halfen natürlich das Finanzpolster und die gewachsenen Beziehungen zwischen Dr. Mike Peirce und der Kupferschmiede in Rothes sowie der respektvolle Ruf des Powerscourt Estate Unternehmens. Alle Beteiligten arbeiteten mit hoher Motivation zügig, effektiv und zielführend an der Umsetzung des Geplanten. Es war das Verdienst von Alex Peirce alle Beteiligten bestens zu integrieren. Trotz langer Forsyths-Wartelisten erfolgte die Lieferung des Läuterbottichs, der Fermenter und der drei schlanken Pot Stills nach Enniskerry zeitnah.



Hinter den grauen Granitmauern der früheren Sägemühle verbergen sich Teile des Besucherzentrums (eröffnete im Mai 2019) sowie dessen großzügige Erweiterung mit mehreren lichtdurchfluteten, repräsentativen und luxuriösen Tasting Lounges. Der stilistische Spannungsbogen zwischen den neuzeitlich riesigen Fenstern des Anbaus und den kleinformatigen Fenstern im Mill House des frühen 18. Jhds. mag für viele Betrachter herausfordernd sein.


Der Vorteil: Die modernen Produktionsbereiche verbergen sich kaum auffällig hinter den historischen und neuen Fassaden in einer neuzeitlichen Stahlrahmenkonstruktion. Noel Sweeney meint:


„Die Umwandlung von alt zu modern ist gelungen…Es ist ein großer Unterschied zu Cooley, hier sind die Arbeitsabläufe planungsmäßig optimiert, in Riverstown mussten wir die Anlagen in bestehende Räume integrieren.
Es macht mir große Freude hier kreativ zu arbeiten.
Der Betrieb läuft phantastisch.“

In der ersten Zeit destillierte das Powerscourt-Team einen nichtrauchigen Single Malt Spirit dreifach und im August 2019 erstmals den irischen Standard Pot Still Spirit. Ein rauchiges Destillat ist angedacht.


Noel Sweeney:


„Wir produzieren bei zwei Schichten etwa sechszehn Barrels pro Tag und stellten bereits auf zwei Schichten um, mit dem Ziel, bei voller Leistung etwa eine Million Liter Jahr zu produzieren. Die Anlage wurde so konzipiert, dass sie flexibel und skalierbar ist.
Wir können hier eine Reihe von verschiedenen Single-Malt-Whiskys herstellen und auch Pot Still.“

Noel Sweeney. Copyright Powerscourt Distillery

Der Distillery Manager meint, dass seine Brennerei langfristige Perspektiven anstrebt. Sie möchten sich ausschließlich auf die Herstellung von Premium-Whiskies konzentrieren. Gin, Wodka und dergleichen lenkten sie nur vom Kerngeschäft ab.


Der 68 % Vol. kräftige Single Malt new make duftet nach frischen Äpfeln, Birnen und Stachelbeeren. Malz- und Gerstennoten ergänzen die süße Wahrnehmung. Auf der Handfläche zeigen sich in der Tat kräftige Gerstenaromen. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden, trotz Konzentration nicht stechend, sondern gut eingebunden. Das Destillat sehr sauber gebrannt.


Blick in die Zukunft

Der Kapitalbedarf einer neuen Brennerei ist in den ersten Produktionsjahren enorm: Investition für die Anlage, Ausgaben für das Malz, die Produktion sowie Fässer, Lagerung und Personalkosten.


„Bis zum ersten Whiskey, acht oder zehn Jahre zu überbrücken, kostet viel, viel Geld. Es ist ein brutal hartes Geschäft",

gibt Alex Peirce unumwunden zu. "Es gibt kein Entkommen vor den schrecklichen Hindernissen des ersten zehn Jahre. In unserem Fall haben wir das Glück, Kontinuität durch ein ausreichendes Kapital sicherzustellen. Das war uns von Anfang an wichtig. Wenn man Schokolade herstellt, kommt sie vom Band und ist sofort verkaufsfähig. Mit Whiskey ist das anders, eine lange Lagerungszeit, zwar nicht in Käfigen, sondern in Holz, mit den damit verbundenen Versicherungskosten. Es ist kapitalintensiv und man kann eigentlich nie genug Geld haben. Wir brauchen die richtige Art von Investoren, um das Projekt erfolgreich durchzubringen."


Copyright Powerscourt Distillery


Es bedarf ebenfalls alternativer Methoden. Das Powerscourt Distillery Cask Membership Program wird zusätzliche Einnahmen von drei Millionen Euro sichern. Interessenten erhalten für 7 800 Euro vor Steuer ein volles first-fill Bourbon Barrel nach drei Jahren Reifezeit. „Deren Zahl ist auf 397 Fässer limitiert, weil der nahegelegene höchste irische Wasserfall von Powerscourt ist 397 feet hoch ist. Für die Brennerei bietet dieser Verkauf von Fässern einen hilfreichen Cashflow,“ hofft Supply Chain Manager Ryan Stapleton. Wann erscheint der erste selbstdestillierte Fercullen Whiskey?


„Nun, die Qualität entscheidet, aber auch wirtschaftliche Faktoren. Auf jeden Fall wird es eine sehr kleine limitierte Auflage geben,“

meint Noel Sweeney,

„making good whiskey is all about patience.“

Der erste echte Fercullen

Nun, wirtschaftliche Faktoren entscheiden oft über die erste Abfüllung, denn sie generiert einen ständigen Cashflow, der die hohen Ausgaben - Personal, Material, Produktion, Energie, Lagerung, Abfüllung, Vermarktung - decken sollen.


Entscheidend für eine Inaugural Release ist natürlich die aromatische und geschmackliche Qualität des jungen Whiskeys. Bei Penderyn hatten sie nicht nur Glück, dass der dreifach aus gemälzter Gerste Make Spirit sehr sauber vom erfahrenen Noel Sweeney destilliert wurde und sich daher in den Reifefässern harmonisch zu einem wohlschmeckenden Whiskey in first-fill-Bourbon Barrels entfalten konnte. Das Powerscourt Team ist mit der Qualität der 6 000 Flaschen zufrieden:


"Fercullen Single Malt is a sensational single malt Irish whiskey, the first release 100% distilled in Powerscourt. To be shared, sipped and savoured.

  • Our First Fercullen Single Malt release takes authentic inspiration from our unique location on the Powerscourt Estate in County Wicklow.

  • The first single malt whiskey distilled and released from County Wicklow in over 100 years.

  • Made from 100% malted Barley, this is a bold and flavour forward Single Malt matured in the highest quality bourbon barrels. Sip & savour the layers of flavour in this whiskey, brimming with fresh apple and soft oak.

  • Bottled at 46% ABV and non-chill filtered, crafted with character, so you’ve always got the perfect whiskey to make the moment count. Fercullen. Meet the Moment


Nose: Toffee, baking spices, vanilla, dessert apples, pears, soft leather, cinnamon, nutmeg, baked buttered pastry crusts.

Taste: Vanilla Custard, soft oak, salted caramel, digestives, tarte tatin.

Finish: Warming oak spices, soft leather, honeyed almonds, stewed fruits."


Quelle: website Powerscourt Distillery


Die Lagerung und Reifung der Inaugural Release "...erfolgte in den eigenen Warehouses auf dem Powerscourt Estate in Enniskerry”, berichtet die Importeurin Mareike Spitzer von Deutschlands größten Irish Whiskey Shop, Irish-Whiskeys.de Vorwiegend in Bourbon Barrels reifen die Fercullen-Spirits in palletized Stapeln. Einige Fässer liegen im schottischen Dunnage Style.


“Ich erinnere mich noch gut, wie die Brennerei bei unserem ersten Besuch in 2018 noch eine Baustelle war”,

führt sie weiter aus.


“Umso mehr freut es mich, dass sie jetzt mit Fercullen Single Malt die Früchte ihrer Arbeit ernten kann.”


First Release in April 2023.

Photos Courtesy of Powerscourt Distillery

 

Das Interview mit Alex Pierce und Ryan Stapleton erfolgte während der Präsentation der Fercullen Whiskeys von ww.Irish-Whiskey.de in Bad Nauheim. Noel Sweeney wurde telefonisch befragt.



 

Noel Sweeney verließ Powerscourt


Die Überraschung war groß, als die Nachricht über Twitter zu lesen war:


"Today is my last day as Master Distiller at Powerscourt Distillery.
I am very happy with what my team have achieved over the past 5 years."

Anfang Januar 2022 verließ der Founding Distillery Manager nach fünf Jahren urplötzlich die mit viel Enthusiasmus begonnene prägende Tätigkeit bei Powerscourt. Die Begründung fiel knapp und bündig aus:


"Not retiring yet, just moving to the next level"

schrieb das Gründungsmitglied der Irish Whiskey Association in Linkedin. Seither ist Noel Sweeney als unabhängiger Berater in der Spirituosen Industrie national und international aktiv.


Alex Pierce verließ Powerscourt


Nach fünf Jahren der Aufbau- und Entwicklungsarbeit gab Alex Pierce, fast zeitgleich mit Sweeney, seine Funktion als CEO und Managing Director der Powerscourt Distillery im Oktober 2021 auf. Der Powerscourt Chefstratege gründete im darauf folgenden Monat die Beraterfirma Next Level Distillers Ltd. mit Sitz in Dublin (23.12.2021) und wurde ihr Commercial Director.


Noel Sweeney ist ebenfalls Mitglied der Next Level Distillers. Die Firma hat zwei Shareholders. Die Arbeitsbereiche werden mit Distilling, Rectyfing and Blending of Spirits umschrieben.

Aktuell (Stand Dezember 2023) berät Sweeney die amerikanische Brindiamo Group, die auf dem Gelände der West Cork Distillery in Skibbereen ein Warehouse mit eigenen Whiskey Fässern belegt. Zuvor hatte er den Gründer und CEO, John O'Connell, von der West Cork Distillery bei der Erweiterung und dem Ausbau der Destillationsanlagen beraten.




Als Interim CEO der Powerscourt Distillery folgte Anfang 2022 Roger Duggan, der zuvor als Board Advisor bei der Brennerei tätig war (Stand 1. Januar 2023).



Neuer Whiskey Maker John Cashman

Nachfolger als Powerscourts Whiskey Maker wurde im Januar 2022 John Cashman. Der Ire arbeitete rund zwanzig Jahre in der irischen Whiskey-Industrie, die meiste Zeit bei Cooley in Riverstown (ab 2006-2012). Als Global Brand Ambassador von Beam Suntory tourte er von 2012 bis Januar 2020 um die Welt und warb für die Produkte des Konzerns. Danach beriet John als Whiskey Consultant die Powerscourt Distillery. Noel Sweeney war bei Cooley sein Lehrmeister.


Head of Whiskey John Cashman

Fercullen Falls: Erster Whiskey mit eigenem Malt-Anteil


"Der Fercullen Falls ist ein Blended Irish Whiskey mit einem ungewöhnlich hohen Malt-Anteil von 50 Prozent sowie einem 50-prozentigen Grain-Anteil (von Great Northern oder Cooley).

  • Vol.%: 43%

  • Füllmenge: 0,7 Liter

  • Aroma: Zimt, Gartenfrüchte, Toffee, Malz, Kräuternoten

  • Geschmack: vollmundig, mild und süß, Vanille, Malzwürze, etwas Pfeffer

  • Nachklang: langanhaltend mit Malz und Würze

  • Preis: 29,90 €

Hierbei ist nicht nur der hohe Anteil gemälzter Gerste bemerkenswert, sondern vor allem dessen Herkunft: Die kupfernen Pot Stills der Powerscourt Distillery. Dazu kommentiert John Cashman, Head of Whiskey: „Als stolzer Wicklower ist es wunderbar am ersten (legal) destillierten Whiskey aus Wicklow in über 100 Jahren beteiligt zu sein. Das ganze Team hat hart daran gearbeitet, Fercullen Falls Blended Irish Whiskey zu produzieren und wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden.“



Mareike Spitzer ergänzt die Basis-Daten des Whiskeys: „Fercullen Falls hat solide 43 % Alkoholvolumen. Der Malt lagerte in First-Fill Ex-Bourbon-Fässern. Wiederum der Grain stammt aus einer Kombination von Ex-Bourbon-Fässern und frischen Heavy Char-Eichenfässern.“


Seinen Namen bezieht Fercullen Falls von dem Wasserfall auf dem historischen Powerscourt-Anwesen. Mit 121 Metern Höhe gilt dieser als einer der größten Wasserfälle in Irland. „Wer die Brennerei besucht, darf einen Rundgang durch die berühmten Powerscourt Gardens und eine Besichtigung des Wasserfalls nicht versäumen“, empfiehlt Mareike Spitzer."

Quelle About Drinks 25.10.2022





Official Tasting Notes


"Nose: Cinnamon and fresh orchard fruits, herbaceous with brown sugar, toffee and a distinct maltiness


Taste: Rich, soft and sweet. Vanilla icing and malt spice with a peppery Clove finish.


Finish: Warming malt spice with good length, drying at the extremities of your tongue."


 

Fercullen Batch 1

Der überraschend fruchtige und sehr samtige Fercullen Premium Blend Whiskey ist ein Verschnitt aus Single Grain und zweifach destillierten Single Malt Whiskies der Cooley Distillery. Der jüngste Grain ist acht Jahre alt, der jüngste Malt nicht jünger als zehn Jahre. Sie reiften in nur Bourbon Barrels. Vom Batch 1 wurden 5000 und vom Batch 2 7000 Flaschen mit 40 % Vol. abgefüllt. Florale Noten paaren sich mit Assoziationen von Honig, die überleiten in eine angenehme ingwerartige Würze. Für einen Blend bleiben die Wahrnehmungen lange präsent.


Er ist ein leckerer ‚daily tipple‘.

Der aromatische, weiche, ölige, würzige und vielschichtige zehnjährige Single Grain Whiskey stammt ebenfalls aus Riverstown im Co Louth. Die Mash Bill setzte sich aus gelbem Mais und ca. 15 % gemälzter Gerste zusammen. Vor der Abfüllung wurde der Grain Whiskey für zwei Jahre in frische first-fill Bourbon Barrels umgefüllt, um die Aromastruktur zu intensivieren und zu verfeinern. Im Grunde ist es eine Variation des vielfach gelobten des Greenore. Der jüngste Whisky reifte zehn Jahre in 200 Liter großen Bourbon-Fässern. Zur geschmacklichen Abrundung gab Noel Sweeney auch ältere Whiskeys hinzu. Sie wurden alle mit E 150a farblich justiert.




Mit 46 % Vol. wurde der vierzehnjährige zweifach in birnenförmigen Brennblasen destilliert nur von Bourbon-Fässer aromatisch geprägt. Typisch Irisch, im lyne arm der spirit still wirkte ein Dephlegmator kühlend auf die aufsteigenden Alkoholdämpfe und ermöglichte einen höheren Reflux und damit eine stärkere Aufreinigung des Spirits. Daher war der Cooley Spirit so fein-fruchtig, rein und reifte schnell. Es wird hingewiesen, dass der Master Blender Noel Sweeney in der Assemblage auch ältere Whiskeys verwendete, deren Alter er aber nicht nennt.



„Im November wurde ein achtzehnjähriger Single Malt abgefüllt, ein sechszehnjähriger wird die Besucher und die Besitzer von individuellen Bourbon Barrels beglücken.
Neue Single Cask Abfüllungen sowie einige Finishings werden in naher Zukunft in die Regale kommen,“

signalisierte ein freudig motivierter Sweeney.







 

Inaugurale Fercullen Präsentation in Deutschland



Importeurin Mareike Spitzer und CEO Alex Peirce bei der Deutschland-Präsentation in Bad Nauheim 2019

 

Powerscourt Distillery Facts 2022

The Powerscourt Distillery Ltd

Enniskerry CO. Wicklow, Ireland

Gegründet August 2016,

CEO Alex Peirce (bis Oktober 2021), Interim CEO Roger Duggan seit 2022

Distillery Manager: Noel Sweeney (bis Januar 2022), seit August 2022 Head Distiller Paul Corbett

Master Blender: John Cashman (seit Januar 2022)

Investition 24 Mio. Euro

Wasser: eigener Brunnen, hartes Wasser

Sommergerste von Powerscourt Estate und Co Wicklow

Mälzer: The Malting Company of Ireland Cork, 27 000 t pro Woche

Malzsilos drei je 30 t

Four Roller Mill

Grist Ratio: k.A.

Pot Still: 60 % Malz, 40 % ungemälzte Gerste, bisher kein Hafer

Stainless Steel Läuterbottich: 3 t mit Rührrechen von Forsyths

Ertrag: 12 500 l Würze

Zwei Mashes pro Tag, neun pro Woche

Pitching Temperature 26 C der Würze am Beginn der Hefezuleitung

Hefe: Dried Distillers Yeast Anchor von Lallemand

Vier Stahlgärtanks, jeweils zwei 13 000 l und 25 000 l

Temperaturkontrollierte Fermentation, Dauer 60 h, am Wochenende länger

Alkoholkonzentration 9-10 % Vol. des Bieres oder der wash

Erste Destillation

Brennblase Kapazität 13 000 l

Dauer 7,5 bis 8 h, low wines 21 % Vol.

Zweite Destillation

Brennblase Kapazität 8 500 l

Dauer 7h, intermediate spirit 45 % Vol.

Dritte Destillation

Brennblase Kapazität 3 500 l

7 h, cut points keine Angaben

Erster Spirit wurde Juni 2018 destilliert

Produktion sechs mashmen and stillmen plus Manager

Fünf-Tage Woche, zwei Schichten pro Tag je 8 h

Insgesamt Beschäftigte in der Destillery und im Visitor Centre, je nach Saison zwischen 15 und 20 Personen


LPA 2019: 400 000 l reiner Alkohol

LPA 2020: 950 000 l reiner Alkohol

Fassfüllstärke 64 % Vol.

Lager am Ort: 2980 Fässer auf Paletten. Stand Oktober 2019

Standard: Bourbon Barrels von Jim Beam sowie einige Wein- und Sherry-Fässer

 

Deutscher Importeur: Irish Whiskeys, Mareike Spitzer, 63692 Ranstadt

Powerscourt Distillery




Noel Sweeney erklärt John Cashmann seine Arbeitsweise bei der Five Elements Series


Der Autor dankt der Importeurin Mareike Spitzer für die Möglichkeit der Teilnahme an der Deutschland-Präsentation. Sie nahm keinerlei Einfluß auf die Themen und Inhalte des obigen Artikels.

 

Zum Autor

Ernie - Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries www.whisky-distilleries.net Er dokumentiert über 150 Destillerien fotografisch von innen und beschreibt detailliert die Produktion der Whiskies. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit dem Thema Whisky und publiziert in Fachmagazinen

wie Irland Journal, die Kleinbrennerei, Whisky Passion und The Highland Herold. Features und Stories erschienen in den Blogs whiskyexperts, whiskyfanblog und whiskyintelligence. Als Leiter der VHS Ingelheim führte, und nun als Whisk(e)y-Botschafter leitet er Destillations-Kollegs, Studienreisen und Whisky-Kultouren zu den Quellen des Whiskys.















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