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  • Ernie - Ernst Scheiner

St. Kilian. Turf Peak Edition.

Aktualisiert: 6. Mai 2022


Der Phantastische. Turf Peak – Master Distillers‘ Selection

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Eine Fassstärke von sage und schreibe 60,2 % vol steht thronend im Glas der Spezialabfüllung. Die Perlenkette signalisierte visuell: Achtung, sehr hohe Alkoholkonzentration, sei vorsichtig mit der Nase! Der Whisky dokumentiert die Variabilität der Destillationsapparatur und Experimentierfreude bei St. Kilian.


„Spielt doch mit Eurem Reflux,“

forderte David Hynes auf. Entstanden ist eine Art Old School Whisky.


Rauh und ungestüm, voller kräftiger harscher Aromen. Ein wenig stechend begrüßt der Rauchende die Nase. Eine hohe Phenoldichte erscheint. Die Aschenbecherfraktion unter den Torfrauchliebenden wird der Turf Peak begeistern. Vielschichtig ausbalanciert ist das volle und breite Früchteprofil, das eine Rauchwolke einhüllt. Süß an Honig erinnernd fügen sich Vanille-Eindrücke hinzu. Die Getreide- und Malz-Aromatik macht den Turf Reak gefälliger. Jeder Tropfen generiert neue sensorische Wahrnehmungen.


Selten. Nur 580 Flaschen. Rauchig. Schottisches Malz. Fränkische Destillation. Copyright St. Kilian Distillers.

Der rauchige Kilian ist sehr breit aufgestellt. Ein echter Genuss, der lange anhält. Mit der Zugabe von Wasser, was zu empfehlen ist, entfalten sich neue Aroma-Profile. Immer wieder waren Lobeshymnen im Online-Chat zu lesen. Wenige konnten eine der 580 Flaschen des knapp fünfjährigen Malts zum Vorzugspreis von 69,90 Euro für eine 0,5er Flasche ergattern. In wenigen Minuten war der süßfruchtige Malt mit einem brachialen Phenolaroma ausverkauft.


Andreas Thümmler war begeistert:

„Der ‚ultra heavy Malt‘ war eine kongeniale Idee von den Master Distillern David und Mario.“


Was macht das Ergebnis so einzigartig komplex? Nun, es sind zwei entscheidende Stellschrauben: der nicht standardmäßige Destillationsverlauf und die Reifung in speziellen Fässern.


Doppelte Destillation. Zwei Pot Stills aus Schottland

Robust und kräftig

Am 23. November 2016 destillierte das Team um Mario Rudolf eine Destillat aus einem phenolhaltigen schottischen Malz mit einer Dichte von 55 ppm in einer anderen Weise als sonst üblich. Den Feinbrandverlauf steuerten die Brenner in einer anderen Weise. Sie halbierten den Reflux-Effekt im leicht ansteigenden Lyne Arm, sodass der Abtrieb des Alkoholdampfgemischs nicht allzu sehr in der Feinbrandblase - Spirits Still – sich wieder aufreinigte.


„Wir haben ihn weniger aufgereinigt, wir haben ihn harscher, kräftiger gemacht,“

erklärte Rudolf das Procedere. Das Destillat sollte insgesamt charaktervoller und ausdrucksstärker werden.


Außerdem setzten die Destillateure den unteren Abtrennpunkt im Übergang vom Mittel- zum Nachlauf etwas tiefer, vielleicht so bei rund 57 % vol. Dadurch fließt in das Destillat weitaus mehr Phenolaromatik und Nachlaufcharakteristik, d.h. unsaubere Elemente und mögliche ölige Fuselnoten. Diese Vorgehensweise machte den Whisky um einiges rauchiger und fetter in Geschmack sowie dichter in den Aromen.


In das Fass wanderte der New Make nicht reduziert auf 63,5 % vol, sondern mit der im Mittellauf durchschnittlich erzielten Alkoholkonzentration von „knapp 69 % vol“.


Reflux pipe in the Lyne Arm. Copyright St. Kilian

Das Destillat füllte das Kilian Team in sehr viele verschiedene Fasstypen, um zu sehen, wo welche Ergebnisse mit welcher Aromatik entstehen. „Wohlwissend das Virgin Oak Fässer Rauch schlucken…aber sie sind so mega gut,“ wählte Rudolf für das Reife-Experiment ebenso ein nicht vorbelegtes 190 l großes Classic Barrel aus amerikanischer Weißeiche aus, das amerikanische Küfer der ISC Cooperage in Kentucky mit einem Char Level 4 – Crocodile Char - auskohlten. Das andere 190 l-Virgin Oak AS-Barrel böttcherte eine österreichische Fassbinderei aus europäischer Eiche.


Geleert wurden die beiden selektierten Virgin Oaks am 14. September 2021. Rudolf ist von der „wahnsinnigen Frucht…wir haben ein volles Buquet.. “ begeistert. In einer Fassstärke von 60,2 % vol kam die Whiskymischung schonend gefiltert – jedoch nicht kühlfiltriert – mit der natürlichen Farbe in die markante 0,5 l Kilian-Brennblasenflasche. Er kostete 69,90 Euro.


„Take a sip…you swallow it and you don’t talk for two minutes,” war der Rat des erfahrenen Whisky Makers David Hynes.

Fazit

Es ist ein Meisterwerk. Glückwünsch. Es war der Star des Online Tastings. Eine Wiederholung der Master Distillers‘ Selection wäre sehr zu empfehlen.


N.B. In Ebay katapultierten die Preise für eine Flasche Turf Peak bis auf 500,- Euro (Stand 30. Oktober 2021).


Der Autor dankt St. Kilian für die kostenfreie Zusendung des Tasting-Sets. Sie nahm keinen Einfluss auf die obige Darstellung und Meinungsbildung.


 








Bei den britischen World Whiskies Awards 2022 belobigten die Juroren während der 'blinden' Begutachtung den St. Kilian Turf Peak mit einer Gold Medaille.

Veranstalter des renommierten Wettbewerbs
ist das englische Whisky Magazine.








 

Zum Autor

Ernie - Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries www.whisky-distilleries.net Er dokumentiert über 150 Destillerien fotografisch von innen und beschreibt detailliert die Produktion der Whiskies. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit dem Thema Whisky und publiziert in Fachmagazinen wie Das Irland Journal, die Kleinbrennerei, Whisky Passion und The Highland Herold. Features und Stories erschienen in den Blogs whiskyexperts, whiskyfanblog und whiskyintelligence. Als Leiter der VHS Ingelheim führte, und nun als Whisk(e)y-Botschafter leitet er Destillations-Kollegs, Studienreisen und Whisky-Kultouren zu den Quellen des Whiskys.

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