St. Kilian weint …Mario Rudolf geht
- Ernie - Ernst Scheiner
- vor 20 Minuten
- 12 Min. Lesezeit
Ein Kommentar
von Ernie Scheiner
Der Schock sitzt tief. St. Kilians Team ist im Trauerzustand. Mario Rudolf öffnete eine neue Episode in seinem beruflichen Leben. Der weithin so prominente Leuchtturm der St. Kilian Distillery löscht das Licht.
Es wird dunkel, sehr dunkel in der St. Kilian Brennerei. Das mit viel Einsatz von ihm und Kollegen-innen über Jahre entwickelte leistungsstarke vierzig Personen-Team verharrt in einer "Schockstarre."
"Uns bricht es auch allen das Herz."*
und
"…es [ist] kaum zu ertragen, Kilian ohne Mario,
das kann ich mir nicht vorstellen…,"
bringt ein Kilian-Fan die Betroffenheit und Gefühle zum Ausdruck.*
*Namentlich der Redaktion bekannt.
Die radikale Zäsur erschüttert das Unternehmen massiv. Sie stellt für viele Fans die zukünftige positive Entwicklung der St. Kilian Brennerei in Frage. Nun, man wird sehen, wie sich das neue junge Team um Sales & Marketing Director Kai Bentlage und Gründer Andreas Thümmler entfaltet.
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Blick zurück. Wer ist Mario Rudolf?
Ein wahrer Glücksgriff war die Anwerbung des aus dem nahen Amorbach stammenden diplomierten Mälzer- und Braumeisters der Technischen Universität München. Seit 2015 brachte Rudolf seine Kompetenz, Kreativität und brautechnisches Knowhow in die Destillation von national und international aufsehenerregenden Whiskies in das St. Kilian Team ein.
Nationale und internationale Goldmedaillen pflastern seine Wege. Über 250 Belobigungen, darunter Distillery of the Year, Germany’s Best Distillery of the Year 2024, Distiller of the Year 2024, World Class Distillery 2025 schmücken das St. Kilian Visitor Centre spektakulär. Die goldglänzenden Plaketten sind bleibende Denkmäler seines kreativen nachhaltigen Wirkens in der Entwicklung von national und international belobigten Whiskies Made in Germany.

Visuell unterstreichen die Würdigungen, welche Vielfalt an Ideen und Konzepten Mario Rudolf in das Whisky-Machen der Rüdenauer Brennerei in den vergangenen elf Jahren einbrachte. Beispiele setzend waren und sind, die Verarbeitung deutscher und schottischer Malze, die Malzrezepturen, die Hefeauswahl, die Steuerung der temperaturkontrollierten Gärprozesse, die Variationen der Brennmethoden in den schottischen Pot Stills sowie der gefühlvolle Einsatz des einzigartigen Reflux Condensers im Lyne Arm der Spirit Still. Die daraus, nach schottischen Brennmethoden, sprudelnden nicht-rauchigen Kilian New Make Spirits erfreuten die Nase mit ausgeprägt fruchtigen Aroma-Bouquets. Diese meisterlich destillierten Destillate boten die idealen Grundlagen für ihre Reifung in über 400 mannigfaltigen Fassholzkulturen. Dort fühlen sich auch die rauchigen Spirit-Variationen geradezu wohl.
Der sympathische Quereinsteiger Rudolf lernte schnell, sehr schnell. Die Fertigkeiten und Fähigkeiten aus verschiedenen beruflichen Bereichen einer Schreiner-, Mälzer-, und Brauerlehre legten die essentiellen Fundamente für ein kreatives und innovatives Wirken im Whisky-Gewerbe. Er setzte zügig beispielhafte Maßstäbe in der Herstellung von Single Malt Whiskies. Die Whisky-Welt bewunderte und goutierte das diversifizierte Spektrum. St. Kilian Whiskies schätzte eine stets größer werdende Zahl von Whisky Nerds. Die Fan Base wuchs rapide.

Bereits beim Aufbau der Brennerei, der Installation der Malzmühle, der Mash Tun, den hölzernen Gärbottichen mit ihren Kühlplatten, den beiden Brennblasen, der Messuhr und des Fassfüllsystems flossen seine essentiellen, systemverbessernden Gedanken ein. Bei deren Umsetzung in den Gesprächen mit Architekten und Handwerkern bewährte sich seine lange Brauereierfahrung. Eine technisch-optimierte Brennanlage für eine effiziente und variable Produktion entstand. Irische, schottische und deutsche Handwerkskunst vereinigten sich dank Rudolf auf das Beste.
Bleiben wird seine optimierende Erfindung der Rührwerke in den Washbacks, die eine Homogeni-sierung der Destillation und Effizienzsteigerung der Alkohole in der vergorenen, fruchtigen Maische ermöglichten.
Die schottische Distiller-Legende Alan McConnochie führte Rudolf im Stillhouse von GlenDronach in die Feinheiten der Steuerung einer doppelten Destillation ein. Das Praktikum hinterließ nachwirkende Spuren. Der zukünftige Master Distiller, Master Blender, Distillery Manager und technische Geschäftsführer der ersten Jahre, Rudolf entdeckte in den Warehouses die Liebe zu Sherry-Fass-gereiften Whiskies. In der schwedischen Brennerei Mackmyra erlernte er die Methoden und Wirkungen der Spirit-Reifung in kleinen Fässern. Das von finanziellen Erfolgen gekrönte Kilian-Kleinfass-Programm war geboren.
Ohne Übertreibung, der Amorbacher wurde zur Seele, zum Motor der Brennerei. Er begeisterte mit seinen Ideen die Kollegen und Kolleginnen. Er nahm sie mit, integrierte und motivierte sie zur Schaffung qualitativ ansprechenden St. Kilian Whiskies.
Die Kilian Anfangsjahre mit den verschiedenen Verantwortungsbereichen: Sicherstellen der Produktion, Malz- und Fassauswahl, Personalführung, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung der Produktion, Buchführung, Zoll und vieles mehr - beanspruchten den technischen Geschäftsführer Rudolf über eine vierzig Stundenwoche hinaus. Das Wort Freizeit kam während dieser heraus-forderenden Aufbauphase in seinem Wortschatz nicht vor.
Die Spannung und die Erwartungen waren übermächtig, als der 'frischgebackene' Masterblender im Mai 2019 einer großen Schar von geladenen Gästen sein Erstlingswerk zur Begutachtung vorstellte. Die illustre Whisky-Gemeinde aus Fachhändlern, Journalisten und Bloggern war angenehm angetan von der Fruchtigkeit und Milde der inauguralen Signature Edition One. Mein Tenor: Dieser St. Kilian Single Malt brauche, einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen.

Rudolfs innovatives Geschick und dessen olfaktorische Begabung kreativ verschiedene Whiskies, so gezielt variabel miteinander zu vermählen, dass sie einem von ihm gewünschten Aroma-Profil entsprachen, ist als genial zu bewerten.
Zahlreiche "Ausmischungen" konkretisierten sich in den zügig füllenden Regalen der euphorisch Sammelnden. Rudolfs bis dahin kaum übliche systematische Methode des Blendens von Whiskies aus verschiedenen Gerstensorten, unterschiedlich vorbelegten Holzfässern war Trendsetting in der nationalen und internationalen Whisky-Branche. Er 'verheiratete', wenn notwendig, Whiskies aus Ex-Rum-, Ex-Bourbon, Ex-Amarone- und Oloroso-Fässern in einem aromatisch optimalen Verhältnis miteinander. Die Verteilung der jeweiligen prozentualen Anteile machte der Master Blender Genießer-freundlich transparent. Im Übrigen begrüßte die Whisky Community seine Offenheit, über Herstellungsweisen detailnah erklärend zusprechen.
Rudolfs durchgängiges Prinzip der Vollreifung von St. Kilian Whiskies ist einmalig in der Whisky-Industrie.
Den Rüdenauer Cask Wizzard beneideten viele, ob der in den Bunkern schlummernden diversen Whisky-Sorten-Vielfalt. Besuchende Whisky-Macher aus Irland, Kanada, Schottland, Frankreich, Israel, Österreich u.v.a. bestaunten die Vielseitigkeit und das hochwertige Fassmangement. Renommierte Independent Bottlers durchforsteten die inzwischen berühmten Bunker City Warehouses nach Preziosen.
Die St. Kilian Bunker Tastings mit Mario Rudolf gehörten zu den Höhepunkten in meinem langen Whisky-Leben. Sie sind einzigartig.
In Online-Shows und Whisky Tastings schwärmte der agile, bodenständig und vertrauensvoll agierende Whisky-Macher und erläuterte bis ins kleinste Detail die Herstellungsverfahren der zu besprechenden St. Kilian Malts. Schnell wurde der stets für seine Whiskies begeisternd auftretende Franke zum anerkannten und geschätzten Gesicht von St. Kilian. Messen, Videos, Whisky Shows, Whisky Festivals und Bunker Tastings machten ihn in der deutschen Whisky-Szene populär und zum gesuchten und geschätzten Gesprächspartner. Er warb direkt oder medial mit motivierender Überzeugung für seine Philosophie des Whisky-Machens und der Produkte. Der Vorteil: Er sprach und erklärte in verständlichen, klaren Formulierungen die thematisierten Phänomene.
Ein Seminar in den andalusischen Tonelerias und Bodegas nahm einen entscheidenden Einfluss auf Marios konzeptionell-strategische Reife- und Blending-Methoden. Er entdeckte die Sherry-Qualitäten der echten Solera Butts, aber auch die von Küfern eingesetzten Seasoning Sherries, die für eine zukünftige Belegung mit Whiskies vorgesehen waren.
In Gesprächen mit Vinologen und Küfern formte sich bei Rudolf ein tieferes Verständnis für die möglichen aromatisierenden Einflüsse auf die Kilian Spirits. Die sich daran anschließenden vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen mit der Bodega Ximénez-Spinola, den Küfereien Casknolia, Pino, Hudo u.a. eröffneten ihm privilegierte Fasskäufe. Sie verursachten willkommene Qualitätsschübe der St. Kilian Whiskies während der Sherry-Fass-Reifung. Der zukunftsweisende Gedanke einer St. Kilian-eigenen whisky criadera y solera maduración en barricas manifestierte sich damals in der Bodega Lustau.
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Mit Mario Rudolfs Weggang verliert die St. Kilian Brennerei nicht nur seinen leistungsstarken, erfinderischen Motor, sondern auch das genial vorausplanende Getriebe der zukünftigen Produktentfaltung. Die von ihm initiierte Ideenflut von wegweisenden Whisky-Rezepturen schufen ein Fundament, das in der nationalen und internationalen Whisky-Produktion ihresgleichen sucht.
Der beachtliche wirtschaftliche Erfolg und die breite Anerkennung des St. Kilian Portfolios ist im Wesentlichen von Rudolf verantwortet. Seine angenehm kommunikative und vertrauensvolle Persönlichkeit motivierte viele Kolleginnen und Kollegen zum Einstieg in das St. Kilian Team.
Mario Rudolf ist sich bewusst,
dass ohne jeden einzelnen im Team von Anfang an, das alles nicht so gewachsen wäre. Da haben viele einen Anteil dran,
dass viele Projekte ohne das wirkungsvoll zusammenarbeitende St. Kilian Team - drinnen und draußen - nicht möglich gewesen wären.
Quelle: Interview St. Kilian Festival 2025
Engagiert und begeistert arbeitete das Kilian Team an der Verwirklichung der Ziele. Während der Whisky-Festivals, der Besichtigungen und der Whisky-Tastings konnten sich die rund 3 500 Besuchenden stets (2025) von der ihnen entgegen gebrachten emphatischen Freude, dem emotionalen Stolz, der hohen Motivation und freundlichen Einsatzbereitschaft des Teams immer wieder überzeugen. Sie dokumentierten eindrucksvoll ein Teil des offenen St. Kilian Projekts zu sein. Highlights waren die kundenbindende Pairing Bunker Tastings sowie das Weißwurst-Frühstück in Hainhaus.
Eine St. Kilian Brennerei ohne den leidenschaftlich-federführenden CTO und richtungsweisenden Creative Whisky Maker Mario Rudolf wie auch den bisherigen wissenschaftlichen Berater Dr. Heinz Weinberger ist für viele Kilian Fans in der Tat nicht vorstellbar.
"...schade, dass ihr beide nicht mehr bei St. Kilian seid! Ein großer Verlust für die Fan's, aber auch für St.Kilian... Seid ihr doch die eigentlichen "Aushängeschilder" für Qualität und Fachwissen, aber auch für Freundlichkeit und humorvolles Miteinander gewesen..."
schreibt beispielsweise Robert Bissert in Facebook.
Es braucht dabei stets Menschen, wie Mario Rudolf, die andere mitreißen, motivieren, loben, deren Leistungen respektieren und deren Kompetenzen zielführend entfalten, denn nur so kann ein Betrieb erfolgreich wirtschaften und sich entwickeln.
Der fast gleichzeitige überraschende Weggang des wissenschaftlichen Beraters Dr. Heinz Weinberger, des Produktionsleiters Lars Baethcke und des CTO Mario Rudolf ist für viele Kunden, Fachhändler und Fans nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar.
Gewiss, die allgemeine wirtschaftliche schwierige Situation der deutschen und internationalen Whisky-Industrie mit ihren Umsatzeinbrüchen zwingt zu Sparmaßnahmen und Personalabbau. Strategischen Veränderungen und interne Betriebsstrukturen können gleichfalls Wirkungen zeigen.
Es ist daher kein Wunder, dass der Patron Sankt Kilian mit tränenden Augen nach Rüdenau schaut...
meint Ernie Scheiner.
PS: Eine Anfrage nach einer persönlichen Stellungnahme oder Presseveröffentlichung beim Eigentümer CEO Andreas Thümmler erfolgte. Wir erhielten eine Mail-Nachricht:
"Es tut uns auch sehr leid und
wir wünschen Mario für seine Zukunft alles Gute und viel Glück!"

Wir erfahren darüber hinaus, dass zukünftig ein junges Produktionssteam unter der Leitung von Sales & Marketing Director Kai Bentlage und Gründer Andreas Thümmler die St. Kilian Destillerie in der "Champions League" des Whiskies halten soll.
Thümmlers persönliches Statement könnte bei Lesenden allerdings den Eindruck erwecken, das scheinbar das 'alte' bisher so erfolgreiche 'Winning Team' - bestehend aus Mario Rudolf, Andreas Kreser, Lars Baethcke, Dr. Heinz Weinberger und Philipp Trützler - dazu nicht mehr in der Lage gewesen wäre.
Siehe hierzu die Pressemitteilung von Andreas Thümmler in www.whiskyexperts.net.
Kommentar Ende
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Es folgen persönliche Worte zu Mario Rudolf
von Kollegen, Partner-innen und Kunden
Dr. Heinz Weinberger:
"Mario ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit – vielseitig interessiert, hochbegabt und akribisch in seinem Tun, stets aufgeschlossen für Neues. Er war der Kopf, das Herz und eine tragende Säule bei St. Kilian. Seine Detailverliebtheit sowie sein enormes Wissen und Können bei der Kreation neuer Whiskys führten zu immer wieder neuen Geschmackserlebnissen, die auf nationaler wie internationaler Ebene hochgelobt und prämiert wurden. Ein begnadeter Whisky-Kreateur und Entertainer, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und sich selbst immer treu bleibt. Für mich ist Mario ein herausragender Mensch und ein wahrer Freund!"
Zoltán Fódi:
"Ich hatte die Möglichkeit, achteinhalb Jahre lang mit Mario an diesem besonderen Projekt zu arbeiten. Als ich damals zur St. Kilian Brennerei kam, waren wir vielleicht sechs, sieben Leute. Die Anlage stand schon, aber die Inbetriebnahme lag noch vor uns. Es war keine einfache Zeit, und ehrlich gesagt gab es Momente, in denen ich selbst schon längst aufgegeben hätte. Aber Marios unermüdliche Motivation und sein Einsatz haben die Arbeit und das Team weiter vorangebracht.
Mario ist einer der wenigen Menschen, die die St. Kilian-Whisky-Destillerie wirklich als Ganzes und bis ins kleinste Detail kennen und verstehen – egal ob es um den Einfallswinkel der Spritzdüsen im Läuterbottich geht, um die Funktionsweise des Reflux Condensers oder um die klimatischen Bedingungen in den Bunkern.
Dazu kommen seine Vorstellungskraft und sein Gespür, die für die Entwicklung und Umsetzung verschiedener Abfüllungen unverzichtbar waren.
Ich bin zwar seit zwei Jahren nicht mehr im Unternehmen, aber die gemeinsame Zeit ist mir bis heute sehr präsent. Ohne Mario fällt es mir momentan schwer, mir die Destillerie vorzustellen."
Dhana Sauernheimer:
"Wir dürfen St. Kilian seit 2021 multimedial begleiten, beginnend mit der Produktion der Online Whisky Tastings, aber auch verschiedenen Videoformaten und Programmieraufträgen. Mario war uns hier auf allen Ebenen ein ganz wundervolles Gegenüber – er und das ganze Team begegnete uns so vertrauensvoll partnerschaftlich auf Augenhöhe und mit einer solchen Leidenschaft, dass wir als kleine Medienfirma absolut stolz und dankbar sind, ein kleiner Teil dieser Erfolgsstory sein zu dürfen.
Ganz abgesehen von seiner unglaublichen Expertise in der Whiskywelt hat Mario als Multitalent maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Livestream-Serie zu so einem jahrelangen Erfolg werden konnte: Ob als Planer des Lineups, der Einspielerproduktionen und Problemlöser der organisatorischen Hürden, als Moderator, der gekonnt den roten Faden durch die Show zieht, oder als Kommunikator im Hintergrund, der alle Beteiligten zusammenhält – Mario sorgte mit ganzem Einsatz dafür, dass die Qualität der Liveshows bis ins kleinste Detail zur Qualität der Produkte passt und nichts dem Zufall überlassen bleibt.Â
Über all das hinaus war Mario für uns auch vor allem eines: nicht nur ein Kunde, nicht nur ein Kollege, sondern ein richtig guter Freund. Zu St. Kilian zu kommen, fühlte sich stets wie ein kleines Stück Zuhause an und die unzähligen schönen, anstrengenden, wilden, manchmal aufregenden, manchmal ermüdenden Drehtage mit Mario gehören zu den Erfahrungen in unserer lichtschreiber-Firmengeschichte, die wir nicht missen möchten."
Dr. Peter Klipstein:
Mario Rudolf war die Seele bei St. Kilian. Ich habe bei ihm meine erste Führung durch eine Destillerie erlebt. Und schon da war klar, egal ob Whisky-Laie oder -Profi, er diskutiert mit allen auf Augenhöhe, er hört jedem zu und zeigt jedem Respekt. Und wenn er spricht und agiert, spürt jeder, Whisky ist für ihn kein Job, sondern Passion.
Ich bin Kinderarzt und finde es so wichtig, dass man wissenschaftliche Erkenntnisse, Erkrankungen etc. so erklärt, dass es jeder versteht. Auch von Mario hört man kein Fachchinesisch und so kann er seine Zuhörer begeistern. Wer bei ihm lernen durfte, ihn als Mentor erlebte, kann sich sehr glücklich schätzen.
Fachlich ist er für mich eine der prägendsten Figuren der deutschen Whisky-Welt. Die Mischung aus handwerklicher Präzision und unbändiger kreativer Neugier, das Tüfteln ohne Angst, Fehler zu machen, auch einzugestehen, dass nicht jedes Experiment gelungen ist und so aber Whiskys zu schaffen, die weltweit mithalten können und dabei absolut bodenständig zu bleiben – das verkörpert Mario.
Nur seine größten Fans, die immer wieder in den Bunkern direkt aus den großartigen Fässern verkosten durften, bei seinen Tastings sein großes Wissen bestaunen konnten, bekamen die Möglichkeit einzuschätzen, was er geschaffen hat. Und ich wünsche ihm, dass er über diese Grenze hinaus in Zukunft die Möglichkeit bekommt, mehr Whisky-Liebhaber mit seinen Kreationen zu begeistern.
Für mich ist er der Jim McEwan Deutschlands. Mario Rudolf ist wie einer seiner Whiskys: Komplex, mit Ecken und Kanten, einer tiefen Wärme und einem Abgang, der einen noch lange in den Bann zieht.
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Roland Horn:
"Ich durfte Mario schon sehr früh kennenlernen, als Sankt Kilian noch in den Startlöchern stand und ein Geheimtipp war. Während einer Radtour machten wir einen Abstecher zur Destille und hofften, spontan eine Besichtigung zu bekommen.
Schon damals beeindruckte mich die herzliche Art, mit der wir empfangen wurden, und die Leidenschaft, mit der Mario über Produktionsschritte und die Vielfalt der Fasstypen erzählte. Seitdem haben wir uns immer wieder auf verschiedenen Messen oder bei besonderen Führungen wie den Bunkertastings getroffen.
Trotz aller Erfolge, die er mit seinen Kreationen feiern konnte, ist Mario stets derselbe offene und enthusiastische Mensch geblieben, den ich beim ersten Mal kennenlernen durfte. Seine Geschichten über den Weg vom Braumeister zum Master Distiller und sein neugieriges Herantasten an verschiedene Weine, um Fasskulturen und Aromenstrukturen besser zu verstehen, zeigen, wie aufgeschlossen und begeisterungsfähig er ist.
Mario ist definitiv jemand, mit dem man immer gerne zusammensitzt und über die schönen Dinge im Leben philosophiert."

Udo Sonntag:
Es gibt Menschen, die mögen Whisky. Es gibt Menschen, die lieben Whisky. Und es gibt Mario Rudolf! Mario gehört zu dieser extrem selten Spezies von Menschen, die Whisky mit jeder einzelnen Faser ihres Körpers einfach nur leben. Whisky ist für Mario tatsächlich das „Uisce Beatha“ – das „Wasser des Lebens“ und zweifellos nicht das Wasser von 08:00 bis 17:00 Uhr. Anders kann es sonst nicht sein!
Jim McEwan sagte einst einen denkwürdigen Satz: „Do it with passion or leave it!“ – Tu etwas mit Begeisterung oder lass es bleiben. Auch das trifft zu einhundert Prozent auf die Schaffenskraft und Kreativität von Mario zu.
Ich kann mich an sehr viele Momente erinnern, in denen ich diese geniale Kombination im Glas selbst erleben durfte. In weit über 400 verschiedenen Fassarten wurde das bei St. Kilian erlebbar. Das ist ein wunderbarer Schatz für uns Genießer und wegweisend sowie inspirierend für die Whiskywelt. Neben diesem schier unendlichen Wissen, praktischer Kompetenz und absoluter Professionalität zeichnet Mario aber vor allem seine Persönlichkeit aus.
Mario ist nicht die schillernde Person im Rampenlicht. Vielmehr besticht er durch seine ehrliche Bescheidenheit. Die Nähe zum Whiskypublikum ist ihm wichtig und die Meinungen der Menschen nimmt er wertschätzend sehr ernst. Es ist einfach spürbar, dass Whisky keine x-beliebige Handelsware ist. Tugenden, die nicht überall in der Whiskywelt zu finden sind.
Nur zu gerne denke ich an die vielen wunderbaren Momente mit Mario zurück – sei es nun bei vielen Gelegenheiten in der Brennerei, bei Tastings im Bunker, in Online-veranstaltungen oder auf Festivals wie dem Celtic Castle. Überall war und ist Mario einfach ein toller Freund. Lieber Mario, behalte dir all das bei, denn es sind Mavericks wie du, welche die Whiskywelt zu dem machen, was wir alle lieben! Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und freue mich schon sehr auf unser nächstes Wiedersehen! Yours Aye!!!
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Ernie Scheiner dankt den obigen Autoren für ihre sehr schnellen Rückmeldungen.
Impressionen aus Mario Rudolfs Whisky-Alltag
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Marios Abschiedszeilen
veröffentlicht in LinkedIn am 12. April 2021
Good Bye St. Kilian
Nach intensiven, lehrreichen und aufregenden 11 Jahren des Aufbaus von St. Kilian heißt es für mich nun Servus und Ade!
Ich möchte mich wieder einmal neu erfinden, neu orientieren. Ich suche ab Juli 2026 nach einer neuen Herausforderung.
Ich blicke sehr dankbar auf die letzten 11 Jahre zurück. Mit einem phänomenalen Team haben wir Whisky made in Germany neu definiert. Wir haben durchaus Standards gesetzt.
Mit unermüdlichem Einsatz, Leidenschaft und Herzblut haben wir etwas Einmaliges geschaffen. Die Begeisterung der Fans motivierte stets unbändig. Einfach super!
Vielen Dank an alle Fans und Kollegen für diese tolle Reise! Das war solch ein toller Lebensabschnitt mit unzähligen neuen Bekanntschaften, wahnsinnigen Eindrücken sowie weltweiten Erfahrungen und Kontakten!
Ich freue mich auf das, was kommt! Seid gespannt und bleibt am Ball!
Auf bald! Slainthe
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Zum Autor
Ernie - Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries www.whisky-distilleries.net  Er dokumentiert über 150 Destillerien fotografisch von innen und beschreibt detailliert die Produktion der Whiskies. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit dem Thema Whisky und publiziert in Fachmagazinen

wie Das Irland Journal, die Kleinbrennerei, Whisky Passion und The Highland Herold. Features und Stories erschienen in den Blogs whiskyexperts, whiskyfanblog und whiskyintelligence. Als Leiter der VHS Ingelheim führte, und nun als Whisk(e)y-Botschafter leitet er Destillations-Kollegs, Studienreisen und Whisky-Kultouren zu den Quellen des Whiskys.














































































































































































