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  • Ernie - Ernst Scheiner

Littlemill. Column Distillation. Port Ellen. Spirit Safe. Background

Aktualisiert: 9. März 2022


Destillationstechnologie reinterpretiert...

einige unvollständige Gedanken...in Arbeit.... Text...at work

Littlemill Stills und Loch Lomond Stills

Apologies WIX Software does not support

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Einer der vergessenen Pioniere der schottischen Whisky-Destillation ist Duncan G. Thomas. Der Amerikaner konzipierte neuartige Brennblasen zur variablen Modifizierung von Malt Spirits. 1931 erwarb der Chemiker und Unternehmer eine der ältesten schottischen Brennereien. Die am River Clyde in Bowling an der Grenze zu den Highlands liegende Lowland Distillery Littlemill führte ihren Ursprung in das Jahr 1750 zurück als Archibald Buchanan eine Brauerei
von seinem Bruder Andrew erwarb.
Wann dort die Destillation von Whisky tatsächlich begann, bleibt dennoch unklar.


Vielleicht war es im Jahr 1772, denn diese Zahlen zieren einen Giebelstein eines Fasslagers. Dokumente belegen: Littlemill wurde während der Regierungszeit von King George III am 2. November 1773 vom örtlichen Justice of the Peace of Dumbarton lizensiert. Wie es die Regularien vorschrieben, errichtete die Brennerei ein Wohnhaus zur exklusiven Nutzung durch den Royal Excise Officer. Das wenige Meilen nördlich von Glasgow liegende Unternehmen entlohnte den königlichen Beamten für die tägliche Dokumentation der Alkoholproduktion und Kontrolle des Fassbestands in den Lagerhäusern. Nur der Officer hatte die Schlüsselgewalt für die erstmals in der Whisky-Industrie vorgeschriebenen Sample and Spirit Safes sowie für die Zugänge zu den Warehouses.


'1824 war Littlemill‚die erste Brennerei Schottlands und der Welt,‘ so euphemistisch zu lesen auf der Webseite der Lochlomond Group, deren Destillationslizenz eine Frau, Jane MacGregor, erhielt. Sie war die Witwe des vorausgehenden Lizenzinhabers Peter McGregor. Dieses Alleinstellungsmerkmal teilt sie mit Frauen, die vermutlich vor der Reform des Lizenzsystems 1823 eine Brennerei leiteten. Es gibt jedoch in Schottland andere Brennereien, die auf ein älteres Gründungsdatum blicken können. Die Unterlagen hierzu sind durch Brand zerstört.


Nach mehreren Besitzwechseln erkalteten schließlich die Brennblasen an der Dumbarton Road 1992. Der Konkurs der unglücklich agierenden Gibson International Gesellschaft manifestierte 1994 das Ende von Littlemill.


Littlemill Cask. One of the few remaining casks at Loch Lomond Distillery.



Littlemill erneuerte sich

Nach einer kurzen Stilllegungsphase im Jahre 1929 verändert der amerikanische Unternehmer Duncan Thomas die technische Ausstattung. Fortan mälzten Saladinkästen die Gerste mechanisch. Gedarrt wurde das grüne Malz in zwei Ventilation Towers, jedoch nur in einem Kiln.


Photo courtesy of Loch Lomond Group. Spirit Still and Wash Still with straight necks at Littlemill Distillery


Nach der Renovierung stellte er das bis dahin übliche Lowland-typische Brennverfahren von einer dreifachen zur zweifachen Destillation um. Die Brennleistung der in Schottland vorherrschenden Swan Neck Pot Stills überzeugten ihn nicht. Thomas forschte nach einer für ihn effizienteren, energiesparenden Destillierapparatur und tüftelte an einer Mischung aus Coffey- und Pot Still-Technologie.


Auf den aus Kupfer zylindrisch geformten Brennkessel der Feinbrandblase setzte er eine Verstärkersäule, eine Art Rektifikationskolonne mit mehreren variabel justierbaren Kupferböden. Im Steigraum der Säule reinigten mehrere Kupferplatten das Alkohol-Dunst-Wassergemisch. Sie verstärkten den Rückfluss des Kondensats, was in eine zusätzliche Aufreinigung und Zunahme der Alkoholkonzentration während des Destillationsverfahrens mündete. Der New Make wurde schließlich reiner und sauberer. Die Littlemill Spirit Still erlaubte auf nur einer Straight Neck Brennblase den Brand von drei Spirit-Arten.


Neben leichten und fruchtigen Destillaten, erzeugten die Stillmen bis in die 1970er Jahre je nach Bedarf auch kräftige und ölige Varianten: einen fruchtigen Littlemill-Standard, einen charaktervollen Dunglass sowie einen stark rauchigen Dumbuck. Robin Brilleman vom Whisky Informatie Zentrum Nederland berichtet von zwei Destillierapparaten gleicher Bauweise: Der Rauhbrand verstärkte sich von 8 % vol. auf 55 % vol., während der Feinbrand einen relativ hohe Alkoholkonzentration von 85 % aufwies. Die Kessel isolierte Thomas mit einer Beschichtung aus Aluminium. Andere Quellen zufolge führte Duncan angeblich die Brennblasenmodifikation mit Rektifkationskolonnen erst in den 1960er bzw. 1970er Jahren durch. (Walter Schobert, Das Whisky Lexikon).


Anregungen

Thomas suchte nach Lösungen und fand Anregungen bei den Destillateuren des 19. Jhds. Die Ideen zur Entwicklung einer hybriden Brennblase, die zwei grundsätzlich unterschiedliche Fraktionierungssysteme miteinander verbindet, fand der Chemiker wohl in der amerikanischen Encyclopaedia of Chemistry, in der eine direkt befeuerte Rauhbrandblase der irischen Banagher Distillery, Co Offaly, aus dem Jahre 1877 näher beschrieben wird. Zumindest ihre Struktur und Form regten ihn vermutlich zur Konzeption einer eigenen hybriden Feinbrandblase an, die sich in Form und Aufbau von traditionellen Swan Neck Pot Stills unterschied. Weitere technische Anregungen kamen vermutlich aus den Rum-Brennereien der Karibik.


Es scheint so zu sein, dass Thomas teilweise ein technologisches Prinzip kopierte, das der französische Tierarzt und Erfinder Jean Jaques Saintmarc – alias Saint Marc - 1823 für die Destillation von Kartoffelschnaps in der Belmont Distillery im Londoner Stadtteil Lambeth umsetzte. Das von ihm entworfene System konnte in einem einstufig ablaufenden Verfahren -Batch-weise - einen Spirit mehrfach brennen.


Zeichnung einer Saintmarc Still von 1825. "This still was the first one of continental design in England...and it was used as a very effective apparatus for thin washes and wines." R.J. Forbes. Short History of the Art of Distillation. Leiden, 1948. S. 347.



Es war die erste kontinentaleuropäisch anmutende Form eines Destillationssystems in Großbritannien überhaupt, das am 20. März 1824 (sealed) in London patentiert wurde (siehe Newton's London Journal of Arts and Sciences: Being Record of the Progress of Invention, Band 10, S. 77). Die auf dem Kessel aufsitzende Säule zeigt eine den Hals umschließende Wasserschürze. Die Saintmarc-Rektifizierungssäule mit acht Platten und den darauf aufsitzenden Hauben erlaubte die Verstärkung der Alkoholkonzentration durch die Steuerung des Rückflusses des kondensierten Alkohol-Wasser-Gemischs.


Im Dinglers Polytechnisches Journal wird folgende Beschreibung der Erfindung wieder gegeben:



"Der Zwek des Patent-Trägers ist Alkohol aus dem Maisch, oder aus der zur Destillation zubereiteten Flüßigkeit, durch eine einzige Operation zu bereiten. In dieser Absicht hat er über dem Ofen einen Apparat vorgerichtet, der aus zehn Kammern besteht, die mit Maisch gefüllt

werden. Die Hize, die aus den unteren Kammern nach und nach in die Höhe steigt, hizt die zunächst darüber befindliche, und soll die Wärme erzeugen, die zur Alkohol-Entwiklung nothwendig ist. Eine Kammer steht überdieß mit der anderen in Verbindung durch Oeffnungen, durch welche der Alkohol-Dampf in die Höhe steigt, und während dieß geschieht, zieht

er mehrere Mahle durch den darüber befindlichen Maisch, und verdichtet sich

immer mehr und mehr; dadurch soll er nun, von allen wässerigen Bestandtheilen gereinigt,

oben in einem höchst reinen Zustande in das Kühlgefäß

übergehen....


Der Dampf, der durch das Sieden in der unteren Kammer, 1, entwikelt wird,

steigt durch die Röhren, d, d, d, empor, und zwischen denselben und ihren Dekeln nieder, und in den Maisch der zweiten Kammer hinauf, wo er verdichtet wird. Auf ähnliche Weise steigt der Dampf aus der zweiten Kammer in die dritte, und wird dort wieder verdichtet. Der in dieser Kammer entwikelte Dampf sammelt sich in der Wölbung der vierten Kammer, und steigt

durch die Röhre, f, empor, und zwischen dieser Röhre und ihrem Dekel herab. Der Alkohol desselben steigt in die nächste Kammer, 5, hinauf, und die wässerigen Dämpfe fallen

durch die Röhre, 9, zurük herab in den Maisch der Kammer, 3.


Auf diese Weise steigt der leichtere Alkohol durch die Wölbungen der verschiedenen Kammern empor, und tritt durch die Röhre, h, in die Schlangenröhre des Kühlfasses: die schwereren Theile fallen in den Maisch der darunter befindlichen Kammerzurük. Es sind auch noch andere Röhren, i, i, i, angebracht, die den Dampf aus mehreren Kammern in die oberste Kammer

hinaufleiten, und aus diesen durch die Röhre, k, in die Schlangenröhre."



Ausschnitt der Zeichnung einer Rektifizierungssäule von Robert Busk, patentiert 1830. Quelle: Dinglers Polytechnisches Journal.

...Zu den Anlagen dieser Art "...gehören die Patent-Destillirapparate des Hrn. J. J. Saintmarc, des Hrn. E. D. Philp und des Hrn. D. T. Shears." Robert Busk aus Leeds hatte 1830 ein "Patent zum Destilliren und Rectificiren" erhalten. Quelle: Dinglers Polytechnisches Journal, www.dingler.culture.HU-Berlin.de


Ein Blick zurück

Wie in den detaillierten Reports der Royal Commission on Whiskey and Other Potable Spirits von 1908 und 1909 ausgeführt, fanden die Berichterstatter einen ersten Beleg für den Betrieb einer in den folgenden Jahren genannten patent still. Am 15. April 1826 begutachteten Beamten das Verfahren und die Qualität des Sprits in der Belmont Distillery, der in einem kontinuierlichen Prozess gewonnen wurde. Anfangs brannte das System diskontinuierlich, also doppelt nacheinander in Batches. Der technologische Aufbau des Brennapparats modifizierte Jean Jaques Saintmarc dahingehend, dass während des Betriebs kontinuierlich der Spirit sprudelte (Patent 28. Juni 1825). Die Saintmarc Still generierte reine Alkohole bis zu einer Konzentration von durchschnittlich 60 % vol.


Sie wurde, wie es damals üblich war, direkt mit offenen Kohle- oder Holzfeuer beheizt:

„The apparatus was actually a pot still with a rectifying head…“

Die ersten Brennversuche zeigten den Beamten James Steel und William Hunt wie man den Kessel mit einem Fassungsvermögen von 470 Litern mehrfach im Laufe des Tages beschickte. Die Alkoholkonzentration variierte von 77 bis 90 % vol. (36 bis 58 over proof), der spirit war von der Farbe grünlich-gelb mit stechenden Noten und zeigte einen abträglichen Geschmack, dennoch stuften die Gutachter das Experiment als einen Erfolg ein.


The London Gazette, Saturday, October 29, 1825. S. 1978, digitalisiert von Google.



Weitere Experimente folgten im Januar 1827 mit einer technisch verbesserten Anlage: „The quality of the spirit was stated to be excellent, and it was reported that the experiment had proved the possibility of producing spirits of very high strength in one operation.“ (Report[s] of the Royal Commission on Whiskey and Other Potable Spirits, p. 251).


In Irland arbeiteten eine 9 000 l große Saintmarc Still in der Old Midleton Distillery im County Cork (17. Juli 1827) sowie eine weitere in der Houghton Distillery in Carlow (26. März 1828). Andere nach ähnlichen Prinzipien konstruierte Brennapparate brannten in der Karibik Rum. Noch heute destillieren auf den Inseln in einigen Brennereien weiterentwickelte Saintmarc-Brennanlagen.



Neuerungen, die Rektifikationssäulen

Die Suche nach kostengünstigen und effizienten Destillationsanlagen für Getreidebrände war eine Folge des britischen Lizenzrechts von 1823. Eine Lizenz zum Destillieren war leicht zu erhalten und ermöglichte bürgerlichen Investoren eine Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung des 19. Jhds. Brenner suchten nach der idealen Brennblase.


Die ersten Rektifikationsanlagen entwickelten beipielsweise Tüftler in Frankreich, darunter Eduard Adam (1801), Jean Baptiste Cellier-Blumenthal (1813) und weitere wie J.B. Fournier 1803, Pierre Guy 1804, Zacherine Adam (1809) u.a. Mit ihren Apparaturen brannten sie vorwiegend aus klaren Weinen Destillate und weniger aus trüben Bieren. Es war auch die Zeit in der erstmals Steam Jackets - Wasserschürzen - wie auch Steam Coils die Anlagen indirekt beheizten. Der in Cork lebende französische Hugenotte Sir Anthony Perrier verwendete 1822 sogar direkte Dampfeinspritzungen zur Verdampfung und Abtriebs des Alkohols wobei er Platten - baffles - eine Art Glockenböden einsetzte. Perrier systematisierte die von Cellier-Blumenthal entworfenen Bubble Cap Trays, die sich ebenfalls in den verfeinerten Konstruktionen der kontinentaleuropäischen Destitionsanlagen wider fanden. Mit Aeneas Coffey kamen 1830 die perforierten Siebböden in die Rektifikationssäulen.


Mit einer derartigen Anlage soll der frühere Lord Mayor (1821, zum Ritter geschlagen 1829) and Freeman of Cork womöglich zusammen mit seinem Bruder in der Spring Lane Distillery in Cork industriell aus einer Getreide-Wash Wasser und Alkohol voneinander getrennt haben. Doch seine energiesparende Erfindung gegenüber den klassischen Pot Stills, die mehr oder weniger eine technische Weiterentwicklung der Brennblasen aus dem maurischen Spanien waren, konnte sich nicht durchsetzen. "Patent Still Silent Spirit (sold as Whiskey) produces Decrepitude, Misery, and Delirium." war fast hundert Jahre später in einer Anzeige der Glen Distillery von Cork 1910 zu lesen. Der Ire Aeneas Coffey und der Schotte Robert Stein konnten erfolgreicher sein, da sie das Perrier System weiterentwickelten. Ihre Erfindungen sollten den Widerstand der Distiller gegenüber dem German Spirit allmählich aufgeben. Die Stein und Coffey Stills konnten die trübe Getreide-Maische besser verarbeiten als die Perrier Destillationsapparatur. Aeneas Coffey betrieb eine kommerzielle Anlage in der Grand Dock Distillery in Dublin und Robert Stein eine in Kirkliston nahe Edinburgh.


Zeitgleich zu Saintmarc entwickelte der Schotte Robert Stein 1827 eine ähnliche Still, die erstmals im Januar 1828 in John Falconer Atlees Distillery in Wandsworth, Surrey, ein Beer brannte. Ein Jahr später, im August 1829, wurde das neue Brennverfahren in der von seinem Bruder in der Distillery in Kirkliston, nahe Edinburgh, erfolgreich ausgeführt. Die königlichen Beobachter betonen, dass es den Bränden etwas an Öligkeit mangelte, sie aber insgesamt reiner waren als das bisher in herkömmlichen Brennblasen der Fall war.


Stein Patent Stills wurden erstmals kommerziell ab 1830 in den Brennereien von Kirkliston, Cameronbridge, Leith, Glenochil - Menstrie, Clackmannanshire - und ab 1833 in Glasgow - Yoker bis 1927 - betrieben. Grundlage war stets eine gemälzte Gerste. In Leith verwendeten die Distiller 1835 erstmals ein nicht gemälztes Getreide zur Destillation. Es ist kaum bekannt, aber von 1841 bis 1843 destillierte aus gemälzter Gerste eine Robert Stein Patent Still einen Malt-Spirit auf Islay. Quellen zufolge arbeitete sie versuchsweise unter John Ramsay in der 1825 gegründeten Port Ellen Distillery.


Neue Technologie: Spirit Safe

Littlemill war eine der ersten schottischen Whisky Brennereien, die einen Verschluss-Spirit Safe zur effektiveren steuerlichen Kontrolle der Alkoholmenge kontinuierlich einsetzte.


Ein Blick zurück: In der idyllisch am Ortsausgang am Ende des Sandstrands von Tràigh Gheighsgeir auf Islay gelegenen Port Ellen Brennerei testete - vermutlich im Winter 1823/24 – der Engländer James Fox (von einigen Autoren fälschlicherweise Septimus Fox genannt) erstmals die Funktionen eines sample und spirit safe bevor seine Produktion 1825 tatsächlich begann. In der Folge wurde das Gerät zur übersichtlichen Versteuerung der Whisky-Produktion in allen nach 1823 lizenzierten schottischen und irischen Brennereien installiert.


Port Ellen Warehouses and Kilns in 2014

In einem irischen Gesetzeskommentar von 1761 wird jedoch bereits eine Art von Safe erwähnt und dessen Funktion erläutert. Das Instrument soll bei Abwesenheit des excise officers einen Schwarzbrand verhindern:

„…and the safe at the end of the worm, to prevent any spirits or low wines being secreted, whilst the still is at work…“

In einer weiteren irischen Beschreibung aus dem Jahre 1798 wird ebenfalls zur Verhinderung von illegalen Destillationen von einem „…open safe for receiving such spirits…“ genannt.


Namen wie Thomas Pottinger aus der von John Thompson in Carrickfergus in Irland konstruierten und testeten 1819 safe-ähnliche Einheiten zur Aufnahme der Spirits.


Port Ellen: Spirit and Sample Safe


Technische Erfindungen bei der Produktion von Destillaten erlauben der Steuerbehörde eine größtmögliche Kontrolle der Alkoholströme. Zeitgleich machte sich James Fox aus Devon daran, eine Einheit und Weiterentwicklungen zu konstruieren, die zu Patenten führten. Mittlerweile sind aus den heutigen schottischen, irischen, walisischen und englischen Brennereien diese Technologie nicht mehr wegzudenken. Im London Journal of Arts and Sciences von 1825 steht Folgendes zu lesen:



Die heutigen sample and spirit safes gehen auf James Fox, einen Spirituosenhändler und Gin Distiller aus Plymouth (Coates, Fox and Williams Co) zurück. Es war eine staatliche Auftragsarbeit, denn der Board of Excise - Steuerbehörde – entlohnte den Tüftler für seine Innovation und Versuche fürstlich mit 4 000 Pfund (heute über 350 000 Pfund).


Hintergrund: Am 23. Januar 1819 (in Schottland) und 28. Januar 1819 (in England) erhielt Fox ein erstes Patent -


„An improved Method or Methods of Diminishing the Loss in Quantity and Quality of Ardent Spirits and other Fluids during the Processes of Distillation or Rectification“

– dafür. 1825 patentierten Beamte die Verbesserung des Systems nach den erfolgreichen Versuchen in der Port Ellen Distillery.



Neu und arbeitsdienlich war die Möglichkeit einer Probenentnahme. Die schottischen Distiller nannten den mit einem Schloss verschließbaren Messing-Glas-Kasten „Mr. Fox’s Close Safe to the Worm’s End“ oder schlicht „Encloser“. Den Schlüssel hierzu bewahrte alleine der uniformierte Officer der Distillery auf. Nach einer gerne von Einheimischen und Autoren wiederholten Erzählung soll der Ire Aeneas Coffey mit seiner Safe-Variante ebenfalls in Port Ellen aufgetreten sein, was quellenmäßig allerdings zu bezweifeln ist.


Glenlivet's Sample and Spirit Safe old in 2009

Richtig ist vielmehr, das der Ire Aeneas Coffey die von Saintmarc und Robert Stein entworfenen Destillationsprozesse mit einer doppelten Kolonne verbesserte. Die in der Dock Distillery in Dublin Spirits aktiven Apparaturen ermöglichten Destillate mit einer Konzentration von über 90 % vol. Am 26. Juli 1832 beantragte der ehemalige Inspector General of Excise – Leiter der Alkoholsteuerbehörde von Irland – die Zulassung seiner effizienten Erfindung beim Steueramt, die die Destillation von Getreidespirituosen nachhaltig revolutionierte.


Am 10. September 1832 erlaubte die königliche Verwaltung den Betrieb der Anlage bestehend aus zwei Kolonnen, einem worm tub und einem spirit und sample safe. Der Erfolg war in Irland phänomenal. Auf der grünen Insel arbeiteten 1840 in dreizehn Brennereien Coffey Stills - Patent Still -, fünf in England, nur zwei in Schottland. Der Erfolg des Blended Scotch Whisky vergrößerte deren Zahl einmal auf rund 37 verschiedene Coffey Still-betriebene Brennereien.


Leseempfehlung: Louis Reps, The Whisky GPS. REPSpect AB, Stockholm, ohne Jahr.

Kühlung der Alkoholdämpfe


Die Form der Kühlung bei der Saintmarc Brennblase erfand jedoch Jahre zuvor der Londoner Ingenieur und Betreiber William Pontifex. Kupferschmiede dengelten in der Shoe Lane im Stadtteil Holborn die neuartig gekühlten Brennblasen. Im Patent des Jahres 1798-99 zeigte er vier wirkungsvolle Wege der Wasserkühlung des Abtriebs von Destillaten im oberen Steigraum einer Brennblase auf. Sie orientierten sich Prinzipien, die Destillationstechniker in Anlagen umsetzten, die in den USA Bourbon und in der Karibik Rum produzierten. In Schottland kondensierten bei den Brennereien Ben Nevis (1878), Glenugie, Old Pulteney, Inverleven (1938), Miltonduff (1979) und Glenburgie (1979) ähnliche head cooler oder Dephlegmatoren - einige nennen sie purifier - die aufsteigenden Alkohol-Wasserdämpfe der Feinbrandblasen und führen sie teilweise zurück in den Kessel.


Eine Zeichnung der dreistufigen Brennanlage von Hazelburn zeigt in Alfred Barnards 1887 veröffentlichten Darstellung die größte 7000 Gallonen fassende kohlebefeuerte Rauhbrandblase von Campbeltown sowie die ebenfalls kohlebefeuerten low wine still und feints still. Der Whisky Chronicler Alfred Barnard berichtet 1885/87 von 32 wasserführenden Rohren in den zylindrischen Aufbauten und Köpfen – ähnlich den heute beliebten Röhrenkondensatoren - die eine intensive Aufreinigung der Brände vergrößerten:


„There is, however, a peculiarity in the form of the heads which we have not seen at any other Distillery. The tops instead of being of the ordinary pear-shaped heads are composed of 32 chambers or tubes in each Still, terminating in a dame just before passing into the worm. These tubes are enclosed in a copper case which serves as a condenser, a stream of cold water being kept flowing around the pipes whilst the Stills are 'at work.'


By this means a large proportion of the fusel oil which otherwise would pass off in the form of vapour along with the spirit is thrown back into the Still, and the pure spirit is allowed to pass through the columns into the worm free from impurity. The heated water is run off by an overflow pipe from the top of the case. The accompanying sections of these Still Heads will explain the system."


Als Folge der amerikanischen Prohibition wurde die Produktion bei Hazelburn 1929 eingestellt.


Aktiv erhöhen die Trennleistung ähnliche Kondensatorsysteme bei Dalmore (1839), Fettercairn (1890), Glen Grant (um 1898), Glen Spey (1878), Loch Lomond (1964) , Aber Falls (2017) und Arbikie (2015).


Duncan Taylor entwarf für die 1965 neu errichtete Loch Lomond Distillery die Straight Neck Pot Stills, die eine Weiterentwicklung der Pot Stills der Littlemill Distillery sind.


Eine technische Synthese. Reinvention

Das Besondere der Destillationsanlagen bei Littlemill: Die auf einem Brennkessel aufsitzende Rektifikationssäule mit verschachtelten Glockenböden-ähnlichen Einbauten – long rectancular caps - wurde während der Destillation von einem ständig kühlenden Wasserbad umspült, das wie ein Kondensator oder Dephlegmator die wiederholte Aufreinigung und Verstärkung der Alkohole bewirkte. Das System erhöhte mit der Verwirbelung den Rückfluss sowie den Kupferkontakt, reinigte den Spirit und verstärkte dessen Alkoholkonzentration.


The first Lomond style of stills „the Lomond still was a copy of the Littlemill still“ Courtesy of Menno Bachess

Der Chemiker und Brennereibetreiber Thomas nahm die Anregung des Aufbaus einer Rektifikationskolonne auf und erweiterte das Saintmarc-Verfahren mit eigenen Konzepten. Ziel war es, in seiner Anlage mit verminderten Energieaufwand einen new make mit höheren Alkoholwerten zu destillieren, der sich reiner und sauberer als in den herkömmlichen Brennblasen zeigte. Da jegliche scharfe Noten fehlten, konnte der Littlemill Spirit in Eichenholzfässern schneller heranreifen, als seine traditionell in Swan Neck Pot Stills gewonnenen Pendants. Die Produktion endete 1992.


Littlemill Stills

Zur Energieeinsparung wurden die Brennblasen teilweise mit dünnem Aluminiumblech eingehüllt. Im Kessel erhitzten wirkungsvoll dampfbeheizte Rohre die zu destillierende wash. Hier kopierte Thomas ein Heizsystem, das bereits Techniker bei Glenmorangie mit der Installation der ehemaligen Chelsea-Gin-Stills von 1889 einsetzten.


Die Pot Stills mit ihren extrem langen Schwanenhälsen kamen ursprünglich aus Edward Taylors Brennerei John Taylor & Son. Sein Vater hatte seit 1820 in der Cale Street in Chelsea Gin und Likör destilliert und das Unternehmen 1862 an den Pharmazeuten und genialen Master Distiller James Burrough veräußert. Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs von dessen Label Beefeater London Dry Gin wurden Umbauten und Erweiterungen der Destillationsanlage nötig. Infolgedessen gelangten die ausgemusterten Gin-Stills nach Tain und durften ab 1887 einen Whisky-Spirit aus gemälzter Gerste destillieren. Es waren die ersten Brennblasen Schottlands, deren Kessel indirekt mit Wasserdampfleitungen beheizt wurden. Diese Technologie zog erst in den 1960-er Jahren flächendeckend in die schottischen Whisky-Brennereien ein.


Glenmorangie. The Story of London Gin Stills......replicas...

Das Ende von Littlemill

Der neue Eigentümer und Spirituosen-Händler Alexander Bulloch, CEO der Loch Lomond Distillery Ltd., war primär an den vollen Lagerhäusern interessiert, obwohl die Littlemill Spirits bei den Blendern keine hohe Wertschätzung erfuhren. Ballantine & Sons bewertete die New Makes als zweitklassig, später sogar als drittklassig. Dennoch, die in den Dunnage Warehouses von Bowling reifende Vielfalt schottischer Single Malts benötigte Bulloch für die eigenen Blends, darunter das seit 1856 vertriebene populäre Familien-Juwel, den High Commissioner. Günstig erwarben 1994 die Blender das Gibson-Portfolio aus der Konkursmasse. Der Name Bulloch ist in Schottlands Getränkeindustrie keineswegs unbekannt. Seit 1842 war die Glasgower Familie im profitablen Whisky-Trade aktiv. Gabriel Bulloch gründete zusammen mit J. H. Dewar einen Spirituosengroßhandel. Nach dem frühen Tod ihres Vaters 1951 mündeten die regen Nachkriegsaktivitäten von Alexander und seiner Schwester Irene 1974 in die Firma Glen Catrine Bonded Warehouse Company Ltd. mit Sitz in Mauchline am River Ayr.


Littemill Distillery before demolition. Courtesy John Low. Wikipedia.

Die neue Gesellschaft bündelte und steuerte ihre Handelsfelder, dazu gehörten die der A Bulloch & Co, ALLT OSDA Holdings Ltd. Jährliche Umsätze von 36,5 Millionen Flaschen Spirituosen von Whisky, Brandy, Gin, Rum, Wodka machten die Bullochs in jenen Jahren zu den größten unabhängigen Abfüllern Schottlands. Ihr Spitzenreiter High Commissioner war nach Famous Grouse und Bells einer der meistverkauften Blended Scotch im Königreich. Die Wodka-Marke Glen – früher Grant‘s - nahm sogar den zweiten Umsatzrang ein. Am Fortbestand der Brennerei Littlemill hatten die Spirituosen-Händler nur ein sekundäres Interesse. Sie war sich zwar der historischen Bedeutung bewusst, dennoch verfolgte die Familien Bulloch ihre Vorstellungen von einem Whisky-Museum nur halbherzig, so dass 1995 sie einen Abriss der von ihnen leergeräumten Lagerhäuser begannen.


Die Produktionsanlagen wurden 1996 und die Einrichtung wie auch die Brennblasen verschrottet.


Nach einem Brand der teilweise denkmalgeschützten Betriebsgebäude am 4. September 2004 setzen nur ein Jahr später Abbrucharbeiter das Ende von Littlemill. Eine nüchterne Wohnbebauung folgte, ein paar behauene Steine bezeugen die historische Beziehung. Heute sind lediglich die Grundmauern des Excise Officer House, in denen einst Thomas G. Duncan wohnte, zu sehen (Stand 2014). Letzte Littlemill-Fassbestände befinden sich in den Warehouses der Loch Lomond Distillery oder bei einigen Independent Bottlers.



The Demolition of Littlemill Whisky Distillery





Stroll around Littlemill Distillery at The Gateway to Distilleries and enjoy lots of photos,

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Zum Autor

Ernie - Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries www.whisky-distilleries.net Er dokumentiert über 150 Destillerien fotografisch von innen und beschreibt detailliert die Produktion der Whiskies. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit dem Thema Whisky und publiziert in Fachmagazinen

wie Das Irland Journal, die Kleinbrennerei, Whisky Passion und The Highland Herold. Features und Stories erschienen in den Blogs whiskyexperts, whiskyfanblog und whiskyintelligence. Als Leiter der VHS Ingelheim führte, und nun als Whisk(e)y-Botschafter leitet er Destillations-Kollegs, Studienreisen und Whisky-Kultouren zu den Quellen des Whiskys.


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