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Saladin. Galland. Malting Revolution

Autorenbild: Ernie - Ernst Scheiner
Ernie - Ernst Scheiner
22. Okt.
27 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Tamdhu Maltings
Tamdhu Maltings vor dem Abriss.



von Ernie Scheiner



Update Oktober 2026


Im folgenden Artikel untersuchen wir die Innovationen des Mälzens einer Brau- und Destillationsgerste. Wer waren die maßgeblichen Erfinder des 19. Jhds, die das Mälzen von Getreide mit neuen Ansätzen und Technologien bis heute revolutionierten?


Wir blicken in die Entwicklungsgeschichte zurück und korrigieren dabei Fehlinformationen, die in der englischsprachigen und internationalen Whisky-Literatur zuhauf auftraten und immer wieder viral erscheinen.


An den Beispielen der Saladin-Keimkästen und den Galland-Keimtrommeln thematisieren wir die historische Entwicklung des industriellen Mälzens von den Floor Maltings, deutsch Tennen-Mälzereien, bis hin zu aktuellen Anlagen der Mälzereien Bairds, Port Ellen oder Glenesk.


Wir geben Hinweise zu den Herstellungswegen des Distillers' Malt und stellen die französischen Erfinder Saladin und Galland vor, die mit ihren Methoden die industrielle Malzherstellung bis heute nachhaltig strukturieren.


Siehe auch zu diesem Themenbereich den ausführlichen Artikel über die Methoden in der Keimkasten-Mälzerei: Peating. Bruichladdich & Saladin


Text stets in Arbeit...



Floor Malting bei Springbank, Boby Malting Drums bei Glenesk, Saladin Box bei Tamdhu



Für Anregungen, Hinweise sowie die Zusendung historischer Fotos ist der Autor sehr dankbar.





Wer war eigentlich Saladin?


Der Franzose Jules Alphonse Saladin (1826-1906) war ein bahnbrechender Erfinder der Brauereitechnik des 19. Jhds. Seine Keimkasten-Malz-Technologie war und ist nicht nur in Mälzereien und Brauereien, sondern gleichfalls in Brennereien, früher wie heute, nachwievor zu finden. Saladins Anlagen garantierten den Abnehmern ein qualitativ gutes und günstiges Malz zum Brauen oder Destillieren.


“Saladin Malts have a good reputation in the Colonies,”

das meinten 1927 die Autoren ohne Nennung des Vornamens in Ridley Co’s Monthly Wine & Spirit Trade Circular, Reprint James Eadie Ltd. London 2023, S. 49. Auch David Broom folgt in The World Atlas of Whisky von 2010 diesem Muster. Es herrschte Unsicherheit bezüglich des Vornamens.


In vielen Beschreibungen der Saladin-Keimkasten-Methode wird dem lothringischen Erfinder Saladin fälschlicherweise ein anderer Vorname Charles angedichtet. Einige Autoren und Blogger der Whisky-Szene benennen den Brauer und Mälzer sogar mit Colonel Charles Saladin (siehe Whiskipedia, The Whisky Encyclopedia, Difford's Guide, oder in einer Diplomarbeit der Universität Wien).


"Invented by a Frenchman, Colonel Charles Saladin in the late 1800s with the intent of reducing the strenuous manual labor involved in traditional floor malting." [sic]

Quelle: Whiskipedia.


Selbst der deutsche 'Whisky-Papst' Walter Schobert unterliegt in Das Whisky Lexikon, Erstausgabe 1999, einem Irrtum. Hierbei scheinen vorwiegend die schottischen Whisky-Autoren sowie die unzähligen Kommentare im World WideWeb einen Schneeball-Streich zu spielen. Die Taste copy & paste führte zu andauernden und mannigfachen Verwirrungen. Doch die Myriade der Wiederholungen rechtfertigen keine namentliche Umwidmung des Erfinders Jules Alphonse Saladin.





Eine der Ursachen einer falschen Namensgebung liegt vermutlich in der frühen Fachliteratur des 19. Jds. über das Brauen und Mälzen, denn dort wird der Erfinder und Malzexperte oft nur als M. Saladin, d.h. Monsieur, ohne Nennung des Vornamens zitiert: "...d'un appareil très ingénieux, récemment encore perfectionné par M. Saladin..."




Siehe M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools. Paris, 1895-1897, S.36f







Wann und wo der Name Charles Saladin erstmals selbst in der englischsprachigen Whisky-spezifischen Fachliteratur oder im WorldWideWeb auftrat, ist z.Z. nicht nachvollziehbar.



"The 'Saladin Box' was developed
by the Frenchman Charles Saladin during the 1890s..." [sic]

schreibt Gavin D. Smith in The Whisky Men, Edinburgh 2005, auf Seite 24.


Jahre zuvor hatte derselbe Autor 1993 in seinem Buch A to Z to Whisky Saladin den Namen Charles attributiert. Daher ist es kein Wunder, dass der Erfinder aus Nancy immer wieder in der Whisky World mit einem anderen Vornamen geschmückt wird. 


"Da ich das Buch vor so langer Zeit geschrieben habe, kann ich mich leider nicht mehr erinnern, woher der Name „Charles“ stammt, obwohl ich denke, dass er von einem bereits veröffentlichten Titel über Whisky stammen muss,"

erklärte Smith auf Anfrage.


In der Erstausgabe 1997 der Whisky Tales lernte der Autor dieses Beitrags von Charles Maclean den Vornamen Charles kennen. „Scotland’s leading whisky expert“ beschreibt  darin, nach der „Galland pneumatic drum“, Saladins Innovation:

„…another form of mechanical malting was invented by
Charles Saladin.” [sic]

Source: Charles Maclean, Whisky Tales, London 2006, S.115.


Moderne Internetrecherche und digitalisierte Dokument-Bibliotheken machen eine Spurensuche möglich und entwirren:


Ein Bezug in der Datenbank des Deutsches Museums erlaubt einen eindeutig klärenden Hinweis auf die korrekte Namensgebung Jules Alphonse Saladin, darin ist zu lesen:




In Kanada erhielt der Erfinder Jules A. Saladin 25 Patentschriften, darunter am 20.11.1888 unter CA30237A für einen "Automatic and portable apparatus for turning malt". Weitere Patente folgten unter dem Namen Jules A. Saladin beispielsweise in den Jahren 1892 bis 1910 in der Schweiz und in Frankreich (vgl. hierzu Google Patents).



In englischsprachigen Artikeln wird Jules Alphonse Saladin überdies als M.

J. F. Saladin zitiert:


“... which the parts of the mould are separated and the finished stopper removed. No. 2782.-3 re February, 1898—Malting—M. J. F. Saladin, France—Consists of an apparatus in which the whole process of malting may be carried out. It comprises a cylindrical vessel ..."

Quelle: Distillers', Brewers', and Spirit Merchants' Magazine, 1 July 1898, S. 16



In einigen deutschen Fachartikeln zur Braukultur findet sich immerhin der korrekte Name Jules Alphonse Saladin:





Quelle: Ausschnitt aus der Festschrift M. Weyermann. Erfolgreiche Jahre. Aufbau und Ausbau der Spezialmalzfabrik 1888 - 1913, S. 30.


In der detailreichen Liste L’histoire de la Biere wird desgleichen Saladins Name aufgeführt:


"BRASSERIE DE MAXÉVILLE. Le maltage pneumatique dispose désormais grâce à Nicolas GALLAND et Jules SALADIN de la retourne mécanique. 1876"


Quelle: Siehe www.acratie.eu 


Der Namensfehler setzt sich selbst bei Herstellern fort. So schreibt ein amerikanischer Keimbecken-Produzent auf der Webseite:

 

“Charles Saladin was a French engineer who was one of the early pioneers in creating modern day malting techniques and equipment....The Saladin system of mechanical and pneumatic malting was first introduced into the U.S. in 1887 by Mr. Louis C. Huck."



Zudem werden aus den beiden Franzosen Nicolas et Jules zwei Belgier. Sven van Rooijen schreibt in The Journey of Malt: History and Evolution of Malting (September 2023) in LinkedIn:


“Two Belgian malting engineers; Galland and Saladin are considered to be the fathers of the modern malting equipment. Galland introduced the first aerated rectangular boxes in 1873 and Saladin introduced turning machines in 1880s.” [sic]


Siehe hierzu ebenfalls die Studienunterlage für den Lehrgang der IBD Qualifications The General Certificate in Malting (GCM) Learning Material © Institute of Brewing and Distilling & Malsters' Association of Great Britain 2015, S. 10. Aus den beiden Lothringern werden gleichfalls zwei Belgier, allerdings wiederum ohne Vornamen bei den Wiedergaben sowie mit ungenauen Jahreszahlen der Erfindungen.


NB: Mittlerweile korrigierte der Herausgeber Stuart Howe nach meinen Hinweisen die aktuelle Ausgabe:




Saladins Anfänge

In Nancy erneuerte sich das Mälzen von Getreide erstmals systematisch mit den damals gemeinhin fast unbekannten Methoden der pneumatischen Mälzerei.


Vermutlich fanden Nicolas Galland und Jules Saladin im französischen Patent von William Littell Tizard, das bereits 1852 ein System des pneumatischen Mälzens beschrieb, die Anregungen zur Weiterentwicklung ihrer Anlagen. Es ist anzunehmen, dass sie nicht nur Tizards Ansätze zufriedenstellend modifizierten.


Nicolas Galland bezieht sich zugleich in seiner 1874 veröffentlichten Schrift Faits et observations sur la brasserie. Maltage pneumatique in einer Fußnote auf „le Traité de Müller, les travaux de Balling, Habich, Stolba, Lermer, Lintner, Otto, Mulder et Lacambre“, die ihm entscheidende Anregungen für die Einrichtung einer pneumatischen Mälzerei gaben. Er zitiert die Koryphäen seiner Zeit, die maßgebliche Erkenntnisse zur Entwicklung des Mälzens und Bierbrauens erforschten.

 

NB: Es war wohl der britische Professors of Brewing William Littell Tizard aus London (manchmal als Franzose bezeichnet), der eine grundlegende Methode erfand, die wegführte von der damals üblichen Tennenmälzerei, aber scheinbar nie in einer Mälzerei praktisch umgesetzt wurde. Das Tizard-Modell war in gewisser Weise ein Vorgänger der Entwürfe von Galland und Saladin: In einem geschlossenen Behälter keimte die Gerste, wobei eine Luftzufuhr des Keimguts steuerte. Eine stabile Kontrolle der Feuchtigkeit des keimenden Korns und dessen Durchlüftung konnten wohl damals von ihm wegen technischer Probleme nicht befriedigend gelöst werden.

Quelle:: William Littell Tizard, The Rationale of Malting, The Actinic and Cylindrical Principles. London 1858?


Erfinder. Patrick Stead

Darüber hinaus gab es einen weiteren Mälzer, der Experimente mit pneumatischen Mälzverfahren durchführte. Patrick Stead (1788 bis 1869) patentierte in Suffolk 1842 ein System, das mit Dampf und heißer Luft den Keimprozess und die Darre der Gerste optimierte. In einer gewissen Weise war der schottische Unternehmer und Getreidehändler aus Leith bei Edinburgh einer der prominenten Vorreiter der automatisierten industriellen Vermälzungsprozesse ohne Handarbeit.


Im ehemaligen Zentrum der englischen Malzindustrie Halesworth in East Anglia setzte der Erfinder seine Verfahren in der ehedem größten englischen von Stead und Partnern betriebenen Mälzerei um. Steads effizient belüfteter „four-floor kiln“ in einem Turmgebäude wurde von Mälzern bewundert.

Siehe hierzu Brauwelt International 2013/VI: 50 Achievements in brewing science and technology in 350years -part 1, S. 392. Zu Patrick Stead ausführlich: The Suffolk Institute of Archaeology  and History. Rachel Lawrence, An early Nineteenth-Century Malting Business in East Suffolk. S. 115ff.


Erfinder. David Gruber

Lothringen und Elsass waren ein Mekka der Bierbraukunst im 19. Jhd. Die Brauer und Mälzer waren innovativ und optimierten mit ihren Erfindungen und technologischen Neuerungen die Herstellung des Malzes, das Maischen, das Brauen und die Bierfasslagerung.


Einer der innovativen Pioniere war der Chemiker und Pharmazeut David Gruber (1825 bis 1880). Er gründete 1855 in Koenigshoffen - Strasbourg - die Brasserie Gruber. Der Elsässer revolutionierte das Mälzen der Braugerste und damit das industrielle Bierbrauen. Seine Erfindung des sanften, enzymerhaltenden Darrens des Grünmalzes - Touraille - erlaubte den Brauern, ein rauchfreies helles Pilsner zu brauen. Die Lösung des Problems einer eher temperaturabträglichen Darre war einfach. Grubers System erlaubte das temperaturkontrollierte Trockenen des grünen Malz ohne einen direkten Raucheinfluss, da er eine indirekte temperaturkontrollierte Erhitzung des Malzguts mit Dampfheizungsrohren ermöglichte.


David Gruber. Foto Wikipedia.
David Gruber. Foto Wikipedia.

Indirekte Belüftungssysteme, mit Heizrohren aufgeheizter Luft, ermöglichten eine präzise Steuerung der Darr-Temperatur (70 bis 85 °C), sodass die eiweißspaltenden Enzyme im Korn fast vollständig erhalten blieben. Beim "Schwelken" saugten bei konstanten 40 bis 45 °C Ventilatoren die Feuchtigkeit aus dem Grünmalz, die Enzyme wurden dabei nicht geschädigt, da die Stärke im Korn nicht verkleisterte. Das gedarrte Malz blieb lange haltbar und behielt seine ideale Braufähigkeit. Eine konstante Malz- und Bierproduktion wurden somit möglich, die nicht von klimatisch bedingten Temperatur- und Feuchtigkeits-schwankungen (Winter, Sommer) abhängig war. Unerwünschte Rauch- und Röstaromen im Pilsner oder Lager blieben vollkommen aus. Die angestrebte Malzqualität blieb regelmäßig stabil. Sie verhinderte das "Verbrühen" des Malzes - coup du feu - ist ein Vorgang der das feuchte Malz zu schnell einer hohen Temperatur aussetzt. Die Brauer konnten konstant die gleiche aromatisch-geschackliche Art des Bieres brauen.

Es war die Geburtsstunde des industriell gebrauten hellen, rauchfreien Elsässer Lagerbiers. Ein Patent, ein brevet d'invention, mit der Überschrift Système de touraille mécanique à air chaud pou la dessication du malt wurde von David Gruber am 23. Juni 1868 angemeldet. Er erfand die mehrstöckige Darren-Anordnung. Verschiedene Brauereien nutzten das Systeme Touraille Gruber: Brasserie de l'Esperance in Schiltigheim, die Brasserie de Champigneulles bei Nancy (die älteste noch heute seit 1897 produzierende französische Großbrauerei), die Brasserie Gruber de Melun (1888 von seiner Witwe Sophie Gruber gegründet) oder die Brasserie de la Meuse (1890 bis 1966), beide nahe Paris. Das Systeme Gruber, in Deutschland Gruber Darre genannt, stellten lizenznehmende Maschinenfabriken für Brauereibedarf die massiven Teile, mechanischen Schaufel-Wende-Werke, Öfen, gusseisernen Siebböden wie auch Heißluftsysteme her.


Es entfaltete sich zum Standardsystem der Industrie-Mälzereien in Nordfrankreich, Belgien und Europas. Das Gruber-Heißluft-System stand in Konkurrenz mit den englischen Darr-Methoden. Im britischen Königreich bevorzugten die Mälzer während des Darrens die direkte Befeuerung mit schwefelarmer Anthrazitkohle oder Koks.


Im Bereich der Distillerien übernahm der Saladin-Keimkasten die Malzfunktion.
Ein System Gruber ist dort bisher nicht bekannt. Allerdings finden sich in so manchen schottischen Darren mechanische Schaufelwender.


Erfinder. Daniel Wheeler

Der Unternehmer und Chemiker Daniel Wheeler aus London hatte bereits 1817 erste Ansätze zur indirekten Trocknung des grünen Malzes patentieren lassen. Methoden des Kaffe-Röstens übertrung er auf das Mälzen von Braugerste. Seine im Patent vom 28. März 1817, Nr.411, mit dem Titel "A New or Improved Method of Drying and Preparation of Malt" beschriebenen bahnbrechenden Methoden der indirekten Trocknung verbreiteten sich in der Mälzereien der Breweries. Die von ihm eingesetzte eiserne Drum Roaster Anlage ermöglichte das Mälzen eines rauchfreien Braumalzes. Seine Erfindung erlaubte jedoch auch die Produktion von Röst-oder Farbmalzen, die Biere, wie das Porter, dunkel färbten. Die Black Patent Malt Drum wurde ein Standard in den Brauereien. Die Londoner Breweries Whitbread, Truman, Berkley Perkins oder die Dubliner Guinness St. James Brewery stellten auf dieses Wheeler-Verfahren ihre Produktion um.


Hintergrund: Ein Gesetz von 1816 verbot den Brauern, ihr Bier ohne jegliche Beigaben zu färben (Melasse, gebrannter Zucker, Milk Sugar oder chemische Stoffe). Es folgt eine Krise der Londoner Brauereien, die dunkle Biere wie Stout produzierten, da sie das Bier mit unlauteren, günstigen Zusatzstoffen verfälschten. Das Reinheitsgebot stellte sie vor Probleme. Wheeler fand die Lösung mit dem Black Patent Malt, das man beim Maischen von hellem Malz in sehr geringen Mengen zu dessen Dunkelfärbung zuführte.

Siehe hierzu: Brookston Beer Bulletin, 2016



Erfinder. William Harrison

Der Engländer William Harrison beschrieb 1577 in seinem Werk The Description of England Methoden des Mälzens und Maischens beim Bierbrauen wie folgt:


"The best barley, which is steeped in a cistern, in greater or less quantity, by the

space of three days and three nights, until it be thoroughly soaked. This being

done, the water is drained from it little and little, till it be quite gone. Afterward

they take it out, and, laying it upon the clean floor on a round heap, it resteth so

until it be ready to shoot at the root end, which maltsters all combing. When it

beginneth therefore to shoot in this manner, they say it is come, and then

forthwith they spread is abroad, first thick, and afterwards thinner and thinner

upon the said floor (as it combeth), and there it lieth."


Deutsch: „Die beste Gerste wird in einem Bottich – in jeweils unterschiedlichen Mengen – für die Dauer von drei Tagen und drei Nächten eingeweicht, bis sie vollständig durchfeuchtet ist. Ist dies geschehen, lässt man das Wasser nach und nach ab, bis es restlos entfernt ist. Anschließend nimmt man die Gerste heraus und häuft sie auf einem sauberen Boden zu einem runden Haufen auf. Dort bleibt sie liegen, bis sie am Wurzelende zu keimen beginnt – ein Vorgang, den die Mälzer als ‚Austreiben‘ bezeichnen. Sobald sie auf diese Weise zu keimen beginnt, sagt man, sie sei ‚aufgegangen‘; daraufhin breitet man sie auf besagtem Boden aus – zunächst in einer dicken Schicht, die man dann, während der Keimprozess fortschreitet, immer dünner verteilt.“


Zitiert in der Dissertation: Mark Evans Patton, The Agricultural Growth and Malting Production of Barley Grains in Northeast Tennessee and Southwest Virginia. Tennessee State University, 2016, S. 38f. Siehe auch: Holger Funk, "A Little Known, Mid-16th Century Description of the Production of English Ale by John Caius." Journal Brewery History, 2016, S. 19ff. Siehe auch: Elizabethan England.



Ob Nicolas Galland wie auch Jules Saladin das Patent und die Arbeitsweisen von Patrick Stead oder William Harrison kannten ist nicht belegt. 


Erfinder. Jules Saladin

Der Ingenieur Jules Saladin hatte erste Versuche des Mälzens einer Gerste in einfachen pneumatischen rechteckigen Keimbecken - les cases Saladin - mit durchlüfteten Siebböden in der Brasserie Viennoise Maxéville  im gleichnamigen Vorort von Nancy ab 1870/1873? durchgeführt.


Saladin Keimkasten mit Rotoren. Die originalen Zeichnungen stellte der Erfinder dem Autor Pierre Guichard persönlich zur Verfügung. Abb. aus M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools.                                   Paris, 1895-1897, S. 37
Saladin Keimkasten mit Rotoren. Die originalen Zeichnungen stellte der Erfinder dem Autor Pierre Guichard persönlich zur Verfügung. Abb. aus M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools. Paris, 1895-1897, S. 37

Erfinder. Nicolas Galland

Dort hatte bereits sein Besitzer und Erfinder Nicolas Joseph Galland (1816-1886) seit der Gründung 1869/1870 (Kapitalgesellschaft Societé N. Galland & Cie seit 1869) nicht mit der in den Brauereien vorherrschenden Methode der Tennenmälzerei ein Malz hergestellt, sondern mit dem von ihm konstruierten, damals innovativen pneumatische Kastenkeimtrommel, aus welchen wenige Jahre darauf ein Keimtrommelsystem   - tambours de germination  - die Braugerste vermälzte. Andere Bezeichnungen sind Henning Drum oder Robertson-Galland System. Die Brasserie braute helle Biere im Stil der Wiener Brauereien.


Das von ihm ansatzweise erdachte und in der Brasserie Maxéville eingebaute pneumatische Kastensystem war für die damalige Zeit unter Mälzern eine Sensation, die europaweit ausstrahlte:




Sicher ist, dass der Unternehmer, Brauer und Mälzer eines der ersten pneumatischen Malzhäuser nach seinen Plänen in einer Brauerei bauen ließ. Darin befanden sich die Weiche-Behälter, zwölf zementgemauerte Keimkammern mit eisernen Siebböden, jeweils 50 m lang und

4 m breit mit bis zu 50 cm hohen Grünmalzhaufen und ein ventilateur sowie die Darre.


„La malterie est alors divisée en 12 germoirs…5 metres de long sur 4 metres de large, et leur plancher est tune tôle perforée posée sur des fers et laquelle om étale les couches d’orge préalablement bien trempée…jusgqu’a à 50 centimètres.“


Quelle: Nicolas Galland, Faits et observations sur la brasserie. (Suite) Maltage pneumatique, Ausgabe Juli Paris, Nancy 1874, S. 10f.  Eine erste Ausgabe erschien im Februar 1874.



In der zweiten Ausgabe vom Juli 1874 findet sich im Anhang eine Querschnittszeichnung der von Galland (und Saladin?) weiterentwickelten und patentierten Malzanlage. Die Überschrift Maltage Pneumatique Système N. Galland Breveté S.G.D.G. gibt folgende Hinweise: Es ist die patentierte Zeichnung Breveté -deutsch patentiert oder mit Patent- mit der damals gesetzlich vorgegebenen Abkürzung S.G.D.C. Sans Garantie Du Gouvernement (deutsch Ohne Gewähr der Regierung). Die Beschreibungen in der Legende erfolgte in französischer und deutscher Sprache.

Quelle: Bibliotheque Nationale de France. www.gallica-bnf.fr




Zeitgleich hatte einer der Pioniere des pneumatischen Mälzens, der Deutsch-Amerikaner Rudolph D´Heureuse 1875 ein U.S. Patent erwirkt, das die Durchlüftung der keimenden Gerstenkörner mit feuchter, gekühlter Luft um 15 bis 21 °C während des Mälzens fördert (U.S.P. #179,700).


Jahre zuvor, im März 1817, hatte Daniel Wheeler erste Ansätze zur Röstung des Malz mit einen rotating drum roaster (British Patent 4112) weitere Anregungen zur Verbesserung der Mälzmethoden beschrieben. Die cylindrical iron machine or vessel erlaubte die homogene Herstellung von black patent malt für dunkle Biere wie Porter und Stout.

Quelle: Timmothy van Damme, "How Inventor Daniel Wheeler revolutionised malting". The Swaen, 9.2.2025


Inwieweit diese Ansätze der obigen Erfinder Nicolas Gallands Ideen anregten und anreicherten ist nicht bekannt.


Pionier. Henry Robert & Thomas Perry

Laut Quellenlage soll ein weiterer Vorreiter des pneumatischen Mälzens von Getreide möglicherweise der Besitzer der Belmont Mills im irischen County Offaly, Henry Robert Perry gewesen sein. Er soll sich Mitte des 19. Jhds. experimentell mit Fragen des pneumatischen Mälzens befasst haben. Der Sachverhalt ist zweifelhaft, denn in Irland wirkte Galland ebenfalls an anderen Orten. Sein Bruder Thomas Perry soll die ersten Galland-Keimtrommel-Systeme in Irland in den Belmont Mills nach 1878 eingebaut haben. Diese Annahme kan z.Z. nicht belegt werden. Nachweisbar ist vielmehr, dass Thomas in den Belmont Mills ein Getreide-Schrotwalzen-System vom gleichnamigen englischen Maschinenhersteller Thomas Perry & Son aus Bilston in Staffordshire einbaute.


Angeblich war die Robert Perry & Son Ltd. in Mallow, Co. Cork, eine der ersten irischen Maltings, die ein Saladin-ähnliches pneumatisches Keimbecken System zum Mälzen von Braugerste installierte, das auf das Prinzip einer pneumatischen Galland-Box zurückreicht. Keimbecken mit Rührwerken waren nach Quellenlage erst in den 1950er Jahren in den Perry's Maltings in Betrieb. Perry war einer der vertraglich vereinbarten Zulieferer einer Braugerste für die Dubliner Guinness Brewery und braute in der eigenen Brauerei ein beliebtes Pale Ale (erste irische Beer Chill-Filtration).

„At Perry’s, the malt was turned manually and appears to have been of excellent quality.”

Die Malzproduktion in der 1877 gegründeten Robert Perry Ltd. endete 1967 (1966?) nach der Übernahme durch die Irish Ale Breweries. Die Holding straffte die irischen Malzproduktion und schuf effizientere Malzzentren. Kleine Mälzereien stellten in der Folge den Betrieb ein, weil Großmälzereien wie die Malting Company of Ireland (1858 gegründet in Cork, neue Firmierung seit 1997) mit ihren seit 1965 in Ballincollig aktiven Boby Drum Anlagen (nach der Galland-Technologie) günstiger ein Braumalz herstellen konnten.

Siehe hierzu die Ausführungen von Matthew J. Minch zum Thema Pneumatic Maltig in Ireland, S. 56. sowie Records of Robert Perry & Co.

 

Pionier. Matthew Minch

In Dublin wurden laut Matthew Joseph Minch, dem Gründer der gleichnamigen Mälzerei in Athy, pneumatic drum maltings nach Galland betrieben. Diese mussten aber 1910 geschlossen werden, weil sich Anlieger über den andauernden Lärm beschwerten. Wo sich diese Anlagen befanden, konnte bisher nicht geklärt werden.


Nicolas Gallands Pneumatic Malting Drums sollen erstmals in Irland im Co. Tipperary in Roscrea in den Maltings für das Mälzen der Gerste eingesetzt worden sein. Andere Anlagen folgten in England: Flower & Sons, Stratford-on-Avon; Faulkner, Beeston, Sedgwick & Co. in Watford und Nimmo & Sons, Castle

Eden, Taylor Lower Sheering in Essex.

Quelle: O.P. Hudson, Malting Technology, 4th December 1985 in Centenary Review. S. 115.


Andere Quellen scheinen dieser Annahme zu widersprechen, denn Arthur Perry of Roscrea soll vielmehr Gallands Erfindung eines pneumatischen Keimkastens mit eigenen Ideen modifiziert haben. Der Dubliner Händler und Unternehmer - Getreidemühlen und Mälzereien - bewirkte am 14. März 1882 ein Patent (No. 1223). Es beschreibt die Technologie, die keimende Körner mit einem mechanischen System von Plattenwendern - traveling wheel or cylinder with blades - vor dem Verschlingen behütete. In England war es in den Beeston Brewery Maltings bei Nottingham, wo 1878 ein Galland's box system erstmals das Mälzen der Gerste übernahm.


Saladins System mälzte erstmals 1891 bei R.W. Mann in den Wainford Maltings, Norfolk. Doch belegen Quellen, das bereits 1884 (1885?) Saladins pneumatisch-mechanische Keimkästen in der Mälzerei von Yeovil, Sommerset, aktiv waren. Es war die erste in England betriebene pneumatische arbeitende Mälzerei, die ein Malz für die Brutton Brewery produzierte.

Quelle: Amber Patrick, Victorian Maltings in England 1837 to 1914. The Journal of the Brewery History. No. 123, Summer 2006. S. 30ff.


Jameson Distillery

Die berühmte Jameson Distillery in der Bow Street in Dublin richtete sich bei der Malzherstellung traditionell auf die Bodenmälzerei aus, die bis 1971 das von den Stillmen benötigte Malz bereitstellte. Saladin Keimkästen oder Galland Keimtrommeln gab es keine. In der 1840 gegründeten Skerries Brewery im gleichnamigen Ort im County Dublin, 30 km nördlich der Hauptstadt an der Küste gelegen, mälzten die Mälzer das Braumalz gleichfalls auf der Tenne. Saladin oder Galland Systeme scheinen dort ebenfalls nicht eingesetzt worden zu sein. Als nach dem Zweiten Weltkrieg eine allgemein beginnende Modernisierung in Brauereien und Destillerien im UK - Ireland gehörte dazu - einsetzte, war die Skerries Brewery bereits Geschichte, da die Bierproduktion Anfang der 1950er Jahre endete. Folglich schloss zeitgleich eine der größten Mälzereien Irlands.


Sicher ist, dass die damals unter Minch Norton & Co. Ltd. (seit 1847, im Jahr 1921 Zusammenschluss mit P.R. Norton Mälzereien in Carlow, Laois, Kilkenny) firmierende Mälzerei in Athy 1951 Saladin Beckenanlagen mit rotierenden Schnecken erstmals betrieb, um eine möglichst gleichbleibende Qualität an Braugerste den Brauereien anzubieten. Heute gehört das Unternehmen zum globalen Konzern der BoortMalt Group.

 

Malachy Magee erwähnt in seinem lesenswerten Buch 100 Years of Irish Whiskey, erschienen in Dublin 1980, keine Anwendung der Saladin Technologie bei der Herstellung von irischem Malz. Stattdesen beschreibt der Autor die traditionelle Tennen-Mälzerei:


„The sodden barley is then spread out in the malthouse floor where germnation begins the ‚sweatening‘ process.“

Weiters folgt die Feststellung:


“Today the process is effected by more sophisticated means, and huge revolving drums are used in the malting operation.”

Wo dies geschieht, erfahren leider die Lesenden nicht.


N.B.: Die 2009/2017 gegründete Slane Distillery sollte nach den ursprünglichen Plänen der Cunynghams, die auf ihrem 1 500 acres Estate geerntet Bio-Gerste in modifizierten Saladin-Keim-Becken-Anlagen vermälzen. Als 2015 der amerikanische Konzern Brown-Forman das Bauprojekt übernahm, setzen die neuen Manager den Bau eigener Malthouse Pläne von Alex Mountcharles nicht mehr um. Die gemälzte Estate-Gerste lieferte bis 2026 stattdessen die Industriemälzerei Minch Malt in Athy. Im dortigen Betriebszweig, der Norton Plant, mälzten die Mälzer exklusiv die Slane-Gerste in Saladin-Keim-Kästen:

 

“…the Norton Malting Plant, which produces large batches of malt but still uses traditional Saladin boxes for germination…”


Quelle: Website Minch Malt


Das Management von Brown-Forman stellte im Mai 2026 für mehrere Jahre die Produktion von Slane-Destillaten ein. Das Visitor Centre bleibt allerdings geöffnet. Waterford's Terroir Barley wurde ebenfalls von Minch Malt batchweise gemälzt.

 


Gallands weltweiter Erfolg

Nach Gallands Tod 1886 ging die Keimtrommel-Technogie in die Welt. Hersteller überarbeiteten und modifizierten seine Ideen. So finden sich in Schottland, in Port Ellen, Glen Ord oder Montrose, noch heute Trommelsysteme, die jährlich tausende Tonnen Malz – unpeated oder peated – in großen Mengen erzeugen.


Galland Keimtrommel. Abb. aus M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools.                    Paris, 1895-1897, S. 36
Galland Keimtrommel. Abb. aus M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools. Paris, 1895-1897, S. 36

In Charlottenburgs Maschinenfabrik J. C. Freund & Co. (bekannt für die Konstruktion und den Bau von Dampfmaschinen) entwickelte Galland zusammen mit dem Direktor Nikolaus Joseph? Henning und dessen Ingenieuren ein pneumatisches Keimtrommelsystem, für das Amt ein Reichspatent Nr. 32620 am 10. Mai 1884 ausstellte. Die Henning-Galland-Trommeln optimierten die Braumalz-Produktion in der Mälzerei der Schultheiß Brennerei in Berlin-Pankow ein (heute ein Industriedenkmal). Die verbesserte Trommelkonstruktion, die Technik der Kühlung und die Belüftung des Keimguts sowie dessen schonende Rotation ermöglichte den Mälzern die Herstellung eines Braumalzes mit einer gleichbleibenden Qualität. Das Keim-Trommel-System verbreitete sich international. Ein Unternehmen unter dem Namen Galland Henning Pneumatic Malting Drum Manufacturing Company wurde 1889 in Milwaukee, USA, nach Gallands Tod gegründet. Robert Nunnemacher erwarb 1887 die Lizenz von Henning. Noch heute existieren Firmen unter den Namen Galland Henning Nopak, Inc  und Galland Henning.


Ein weiteres Patent erhielt der deutsche Erfinder Willi Frei für eine Malztrommelvariation 1998:


"Angesichts dieser Nachteile der im Stand der Technik bekannten Malztrommeln und der damit versehenen Vorrichtungen liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Malztrommel und eine damit kombinierbare Vorrichtung zu schaffen, bei der bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der erforderlichen Dichtigkeit die Möglichkeit besteht, die notwendigen, umfangreichen Luftmengen im Rahmen des Keimens und insbesondere des Darrens zu- und abzuleiten. Ferner soll die Malztrommel und die dazugehörige Vorrichtung unempfindlich gegenüber den Spannungen sein, die infolge der Temperaturschwankungen zwischen den Verhältnissen beim Keimen und denjenigen beim Darren auftreten und sie soll darüber hinaus mit wenig Energiebedarf zu betreiben sein."

Quelle: Malztrommel und Vorrichtung mit einer Malztrommel. Patent DE19751074C1 vom 12.11.1998


Saladins Durchbruch

Schließlich perfektionierte Saladin, vermutlich 1877, das Keimen einer Braugerste im pneumatischen Keimkasten "...mit Rührwerken, welche das Malz im Keimkasten periodisch wenden..."


Galland hatte angeblich vor 1870 (vermutlich zusammen mit seinem Mitarbeiter Jules Saladin) mit geschlossenen pneumatischen Kastenkeimtrommeln, in denen ein Haufen keimendes Grünmalz auf „horizontalen perforierten Siebblechen“ aufsaß, experimeniert. Zukunftsweisend war die Belüftung des Keimguts mit einer temperaturkontrollierten kühlenden Feuchtluft. Der Brauereibesitzer und Erfinder ließ seine Konstruktionen 1874 in Frankreich und später im Deutschen Reich patentieren. Im originalen Patent No. 10933, „Patentirt im Deutschen Reiche vom 14. September 1878… über die in „pneumatischen Malzverfahren angewandte Apparate…“ [sic] ist im ersten Absatz folgendes zu lesen:


„ein Behälter aus Eisenblech mit doppelten durchlöcherten Boden…auf welchem eine Schicht eingequellter Gerste von ca. 40 cm Höhe liegt…“


Nördliche Teile Lothringens und der Elsass gehörten als Verwaltungsgebiet zum Deutschen Reich von 1871.


Saladins Patente können in Google Patents eingesehen werden, dort können die Originalbeschreibungen im Wortlaut des Erfinders nachgelesen werden:


"To all whom it may concern:

Be it known that I, JULES ALPHONSE SALADIN, of Nancy, in the Department of Meurth and Moselle, France, have invented certain new and useful Improvements in the Malting of Grain, and that the following is a full, clear, and exact description of the same, reference being had to the accompanying drawing, making part of this specification."


JULES ALPHONSE SALADIN, OF NANCY, FRANCE,

IMPROVEMENT IN MALTING OF GRAIN.

Specification forming part of Letters Patent No. 192,292, dated June 19, 1877; application filed

June 5, 1877.







"Be it known that I, JULES SALADIN, a citizen of France, and a resident of Nancy, in the Department of Meurthe-et-lvloselle, France, have invented a new and useful Improvement in Malting Apparatus, of which the following is a specification. 

My invention relates to a novel means for moistening grain during the process of malting and germination and for effecting the aeration of the grain for the purpose of promoting the germinating process."





Detailreiche Beschreibungen finden sich im umfangreichen und grundlegenden Werk des Professors Julius E. Thausing, der an der Brauereischule Francisco Josephinum in Mödling bei Wien (heute Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt) unterrichtete. Thausings Ausführungen in die Theorie und Praxis der Malzbereitung und Bierfabrikation, erste Auflage im Eigenverlag 1876, eine weitere 1893 in Leipzig, beschreiben Nicolas Gallands und Jules Saladins Technologie umfassend.



Saladins Patente endeten

Eine gründlich ausgearbeitete Umschreibung und Neubegründung des saladinischen Prinzips formulierte Fritz Popp aus Altershausen. Er ist seit 9. Juli 2025 der Inhaber eines aktuellen Patents (angemeldet 31.10.2023). Die Patentschrift zu VERFAHREN UND VORRICHTUNG ZUR KONTINUIERLICHEN MALZPRODUKTION ist im Europäisches Patentamt unter dem Aktenzeichen EP 4 365 270 B1 einzusehen. Die Verfahren beziehen sich auf das Saladin-Keimkasten-System und möglichen Variationen davon, eine Kombination von Keimung und Trocknung in einer speziellen Trommelanlage:


"Saladins Erfindung des "Keimkastens" und des "Keimkasten-Wenders" stellt seither das Grundprinzip aller daraus folgenden Entwicklungen dar, im Weiteren auch als Saladin Grundprinzip bezeichnet."

Hinter dem Erfinder Fritz Popp verbergen sich die mechanischen Werkstätten Fritz Popp Reparaturwerkstätte u. Energieberatung in Münchsteinach-Altershausen. Der geprüfte IHK-Meister für Technik ist jedenfalls ein sehr kompetenter Spezialist der Malztechnologie. Er verantworte von 1983 bis 2002 bei der mittelständischen und renommierten Hauner Anlagen Technik GmbH in Diespeck, nahe Nürnberg, die Entwicklung und Umsetzung von Bauprojekten. Unter seiner Aufsicht entstanden viele Anlagen in regionalen, nationalen und internationalen Mälzereien, beispielsweise in Thailand, Frankreich oder Franken. So war die Bamberger Mälzerei Weyermann mit der Firma Hauner, jahrzehntelang verbunden.


Popps technologische Erfindung umgeht mit einer zylindrischen, also einer rund ausgelegten Anlage erfolgreich die "Spatzenbildung", die bei herkömmlich strukturierten Saladin-Keimkästen in Nichen, an Wänden sowie nahe den Kastenenden auftreten kann, wo die mechanischen Wender das Keimgut nicht erreichen. Es sind vor allen Dingen die Bereiche, wo das mechanische Rührwerk das Keimgut nicht ausreichend zu wenden vermag, sodaß sich dort die keimenden Körner mit ihren Trieben zu "schaumgummiartigen" Klumpen verschlingen.


"Früher sind die Mälzer in den Kasten eingestiegen,
um an diesen Stellen mit Schaufeln das Keimgut manuell zu wenden und zu lüften,"

berichtet der gebürtige Franke Fritz Popp.


Wegen der generierten anaeroben Situation entsteht somit in den Klumpen ein minderwertiges Keimgut, weil die Körner nicht angemessen quellen und keimen, entfalten sie daher eine schlechtere Enzymstruktur, die zur effektiveren Umwandlung der Maltosen notwendig ist. Die Ausbeute beim Maischen wird dadurch geringer, der Plato-Gehalt -specific gravity- der gelösten Malzucker sinkt.


Popps technologisches Konzept einer Malzanlage wurde bisher noch nicht in die Praxis umgesetzt. Es folgt eine schematische Beschreibung (Draufsicht) der Konstruktion :







Gallands erste kommerziellen Keimbecken

Gallands erste pneumatische Keimbeckensysteme wurden mit minderem Erfolg in den Neubau der Mälzerei Mich. Weyermann in Bamberg 1899 eingebaut, da bei diesen mechanische Wendeapparaturen fehlten.


"Hier lag die Gerste auf einem durchlöcheten Boden aus Eisenblech (pneumatische Tenne). Grünmalz sollte ohne Bewegen und Mischen des Keimgutes produziert werden. Dies hatte sich als undurchführbar erwiesen. Man zerlegte deshalb die pneumatische Tenne in eine Anzahl Zellen, lüftete das Keimgut und mischte es durch häufiges Überschaufeln aus einer Zelle in eine andere. Die Weiterentwicklung bestand in der Trommelmälzerei."

Quelle: Ausschnitt aus der Festschrift M. Weyermann. Erfolgreiche Jahre. Aufbau und Ausbau der Spezialmalzfabrik 1888 - 1913, S. 31.


Ähnliches wurde 1897 im Distillers’ Magazine ausgeführt:


“indebted to the London Corn Circular and other sources. The first invention in pneumatic malting is due to a Frenchman named Galland, his idea being to pass air through an ordinary working floor, on a basis of a perforated one, but this was not satisfactory ...”


Deutsch: „... dem ‚London Corn Circular‘ sowie weiteren Quellen zu Dank verpflichtet. Die erste Erfindung auf dem Gebiet der pneumatischen Mälzerei geht auf einen Franzosen namens Galland zurück; seine Idee bestand darin, Luft durch einen herkömmlichen Malzboden – der als perforierter Boden ausgeführt war – hindurchzuleiten, doch dies erwies sich als nicht zufriedenstellend ...“

Quelle: Distillers', Brewers', and Spirit Merchants' Magazine, September 1897, S. 16


An dieser Stelle fragt man sich, warum die fränkischen Mälzer von Weyermann sich damals nicht für das bereits seit 1877 bekannte Rotationssystem von Jules Saladin entschieden hatten, dass ja gerade diesen Mangel der Durchlüftung und des Verschlingens des Keimguts im Becken verhinderte.


Jahre zuvor exportierte Nicolas Galland die pneumatische Keimkasten-Technik, die Galland Box, nach England. Erste lizensierte Galland pneumatische germination chambers with a perforated bottom installierte die Beeston Brewery bei Nottingham im Jahr 1878. Es fehlten jedoch Jules Saladins mechanische Rührwerke, die das Mälzen vereinfachten:


„Der Bereich B in jedem Abteil dient den Männern als Standfläche, wenn sie mit dem Wenden des Getreides beginnen. Während sie das Getreide hinter sich werfen, gehen sie zum anderen Ende des Kastens, wo sich nach dem Wenden ein entsprechender Bereich B befindet.“


 

 

Quelle: Amber Patrick. Beeston Maltings, Dovecote Lane, Beeston, Nottinghamshire. Brewery History. Journal of the Brewery History Society. No 136. S. 61


In den von Galland privat im Februar und Juli 1874 veröffentlichten Publikationen gleichen Titels Faits et observations sur la brasserie. Maltage pneumatique berichtet Nicolas Galland von den pneumatischen Experimenten, die er seit vier Jahren in seiner Brauerei durchführte (siehe oben).


Auf wenigen Seiten führt er in einem weiteren 1877 Traktat unter gleichem Titel in die Theorie und Praxis des pneumatischen Mälzens ein. Der Brauereidirktor beschreibt darin Wege der mechanisch-pneumatischen mit „rotierenden Zylindern.“ Er begründet gegenüber den Keimkästen die Vorzüge des Trommelsystem. In das keimende Grünmalz strömte eine befeuchtete kühle Luft, Rotationen sollten die Verschlingungen der Keimtriebe verhindern. Die Kritik der Mälzer war beträchtlich, insbesondere die Probleme der „Reinlichkeit.“

Quelle: Carl Völkner, Die pneumatische Mälzerei und der neue staffelförmige Mälzerei-Apparat. Wien, 1885. S. 2.



Saladins genialer Entwurf

Seine Kollege und Mitarbeiter Jules Saladin ließ sich nicht entmutigen, denn er sah wirtschaftliche Vorteile im Keimkastensystem. Aus seiner Sicht war der Bau derartiger Anlagen günstiger, da weniger reparaturanfällig. Die offenen Becken erlaubten außerdem eine regelmäßige Kontrolle des Keimguts und schnelle Entleerung sowie gründliche Reinigung.


Es war weitgehend Saladin, der mit innovativen Ideen die qualiative Verbesserung von Keimkastenanlagen fortschrieb, denn sie halfen den Industriemälzereien im Vergleich zur personalaufwendigen Tennenmälzerei bei geringeren Kosten, schneller größere Mengen Malz zu produzieren. Diese Vorzüge betonte Pierre Richard 1895 wenige Jahre nach der Patentierung:


"...ce dispositif est économique, mais il diminue beaucoup l'économie de main-d'œuvre qui est un des avantages du maltage pneumatique(...)Les grains ont besoin d'être nettoyés avant le maltage."


Deutsch: "...Dieses System ist wirtschaftlich, reduziert aber die Arbeitsersparnis, die einer der Vorteile des pneumatischen Mälzens ist, erheblich. (...) Das Getreide muss allerdings vor dem Mälzen gereinigt werden."


Quelle M. P. Guichard, Traité de distillerie. Industrie de la distillation. Levures et alcools. Paris, 1895-1897, S. 39


Es scheint so zu sein, dass Jules Saladin in Zusammenarbeit mit Charles de Meixmoron de Dombasle (1839–1912), dem Enkel des damals in Frankreich bekannten Agronomen und Landmaschinenherstellers Christophe-Joseph-Alexandre Mathieu de Dombasle (1777-1843), aus Nancy zusammenarbeitete. Es ist zu vermuten, dass Saladins Rührwerke im ererbten Betrieb von Charles de Meixmoron unter der Mitwirkung von dessen Arbeitern entstanden. Vielleicht leitet sich aus dieser Kooperation der weitverbreitete falsche Vorname Charles Saladin ab.

Siehe hierzu C.-J.-A. MATHIEU DE DOMBASLE, Traité d’Agriculture Publié Sur manuscrit de l'auteur Par Ch. De Meixmoron de Dombasle, Paris 1861.



Der Ingenieur Jules Alphonse Saladin
revolutionierte nachhaltig die pneumatischen Malzmethoden.

Zahlreiche Nachahmer profitierten bis heute von seinen technologischen Erfindungen und Methoden der Keimbecken-Mälzerei.


Die lothringische Metropole Nancy war einst ein Zentrum, eine 'Capitale' der Brauwirtschaft. In diesem prosperierenden Milieu gelang es Jules Saladin, die nachhaltigen Grundlagen einer effizienten und qualitativ optimalen Malzproduktion zu formulieren und zu gestalten.


1877 erlebte Brauereidirektor Nicolas Galland jedoch den Konkurs der jungen brasserie vienoise de Maxéville. Als Gründe wurden die hohen Kosten im Vergleich zur sehr geringen Produktion angegeben, aber auch die häufige Abwesenheit des Patron Galland und dessen primäres Interesse an der Entwicklung von pneumatischen Mälzmethoden, anstatt der Erzielung von Gewinnen. 188 Arbeiter zitterten um ihre Arbeitsplätze. Die örtlichen Bierbarone, die Gebrüder Nicolas, Jean-Baptiste und Antoine Betting, ersteigerten das Anwesen und formten die Grande Brasserie de l’Est. Jahre später, entstand 1895 das Betting-Brauerei-Imperium Grandes Brasseries Réunies de Maxéville. Das exzellente Quellwaser von Maxéville war eine der Grundlagen für die räumliche Agglomeration von Brauereien am Ort.

Quelle: Le Journal de Maxéville, No 13, August 2016, S. 18.



Nicolas Gallands Société de la Brasserie Viennoise in  Maxéville. Heute ist der größte Teil der Anlagen abgerissen und mit neuen Gebäuden überbaut.
Nicolas Gallands Société de la Brasserie Viennoise in Maxéville. Heute ist der größte Teil der Anlagen abgerissen und mit neuen Gebäuden überbaut.



Grande Brasserie de l'Est heute

Die Reste einer der bedeutendsten Brauereien des 19. Jhds. Sudhaus, Mälzerei, Brauerstern, Ruine, Park. Die 1870 von Nicolas gegründete Brasserie produzierte einen Ausstoss von 130 000 Hektoliter pro Jahr.


Ein Denkmal der französischen Brauereigeschichte, Wirkungsbereich der Brauer und Erfinder Nicolas Galland und Jules Saladin. Reste einer ehemals stolzen wirtschaftlichen und brautechnologischen Historie, die nunmehr einer erhaltenden Pflege bedarf.

Fotos Ernie Scheiner Oktober 2026





Jules Saladins Kommentar im US Patent 192292 A vom 19. Juni 1877 erläutert kurz und knapp seine Erfindung:


"The object of my invention is the malting of grain, barley for breweries, or any other grains, and consists in causing grain to germinate in very thick layers (one meter or more) and in ventilating and stirring it mechanically, so as to obtain a great saving in manual labor over the old process, although producing with great regularity, and throughout the whole year, a malt of superior quality.
The apparatus and means used are as follows: First, a soaking-tub; second, a germinating-box; third, damp and cool ventilation fourth, a stirring apparatus fifth, a mode of carrying or transferring the grain from one apparatus to the other."

Deutsch: „Gegenstand meiner Erfindung ist das Mälzen von Getreide, insbesondere von Brauereigerste oder anderen Getreidesorten. Das Verfahren besteht darin, das Getreide in sehr dicken Schichten (einen Meter oder mehr) keimen zu lassen und es mechanisch zu belüften und zu rühren. Dadurch wird im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren eine erhebliche Einsparung an Arbeitskraft erzielt, obwohl gleichzeitig ganzjährig und mit großer Regelmäßigkeit Malz von hervorragender Qualität hergestellt wird.


Die verwendeten Vorrichtungen und Mittel sind folgende: Erstens ein Einweichbottich; zweitens eine Keimbox; drittens eine feuchte und kühle Belüftung; viertens eine Rührvorrichtung; fünftens eine Vorrichtung zum Transport des Getreides zwischen den beiden Vorrichtungen.“


Den  Antrag zum Patent hat der Erfinder mit J.a?. Saladin unterschrieben. Quelle Brookstone Beer Bulletin
Den Antrag zum Patent hat der Erfinder mit J.a?. Saladin unterschrieben. Quelle Brookstone Beer Bulletin


Die patentierten pneumatischen Systeme von Galland und insbesondere jene von Saladin beeindruckten die Mälzereien in Europa. Da nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 der Malzbedarf für die Brauereien in prosperierenden Lothringen kräftig anstieg, konnte Saladin mehrere 10 000 kg große Keimkästen in der vom Malzfabrikanten Eugène Bonnette 1871 erbauten Mälzerei in Nancy einbauen. Es war Saladins erster Großauftrag im Jahre 1882, wo er seine pneumatischen, temperaturkontrollierten Keimkästen mit motorischen Wendern zur Großproduktion von Gerstenmalz erproben konnte. Ein weiterer Auftrag erfüllte sich ebenso 1883 in der Malterie in Chapelle-Saint-Luc bei Troyes, Département Aube.


Der Aufbauplan der Malterie in Chapelle-Saint-Luc zeigt eine Saladin-Keimbecken-Anlage:

A Keimkasten, B Wenderührwerk und L Ventilator.

Abb. aus Franz Fasbender, Die Mechanische Technologie der Bierbrauerei und Malzfabrikation, Band 2, S. 372.





Die Weiche der Braugerste dauerte etwas länger als bei der Tennenmälzerei - Floor Malting. Mit dem Einblasen von konstant kühler und befeuchteter Frischluft in den "...durchlöcherten Boden aus perforirtem Eisenblech des Bodens..."[sic] konnte Saladin das Problem der Überhitzung des Gerstenkorns während des Keimens im 70 cm hohen Malzbett -Malzhaufen- wirkungsvoll eingrenzen. Die kühlende Ventilation des grünen Malzes setzte in der Regel nach einer Ruhe bei 13 bis 15°C ein.



Saladins erster Rotationsapparat mit einer Wendespirale.

Abb. aus Franz Fasbender, Die Mechanische Technologie der Bierbrauerei und Malzfabrikation, Band 2, S. 365.



Mit Saladins Erfindung, der sich im Keimkasten langsam vor- und rückwärts durch das Malzbett oder Haufen rotierend bewegenden, spiralförmigen Wendern, verhinderte er das zweite Problem des Verschlingens der Triebe und der ungleichmässigen Durchlüftung erfolgreich. Die sich entwickelnden Blatt- und Wurzelkeime des Korns beschädigten die von im konstruierten Rührwerke nicht. Die Malterie Bonnette bzw. Malterie de Champagne  im Vorort von Troyes mit anfänglich zehn Saladin-Keimkästen war bis 1977 in Betrieb. In einem Teil der gut erhaltenen Betriebsgebäude wird ein Musée de la Mémoire chapelaine (Stadtmuseum) geführt, das ebenfalls Einblicke in das industrielle Mälzen von Braugerste erlaubt.

Quelle: Franz Fasbender, Die Mechanische Technologie der Bierbrauerei und Malzfabrikation, Band 2, S. 365ff


Die rechteckigen les cases Saladin wurden in der 1864 neugegründeten Brasserie d'Adelshoffen in Schiltigheim bei Strasbourg 1882 eingebaut, wo das mechanische système pneumatique die allgemein übliche handbetriebene Haufenführung des Grünmalzes - Wenden, Belüften, Kühlen, Befeuchten - der Malzböden einer Brauerei-Mälzerei effizient ersetzte.



Saladin-Keim-Kasten Technologie bei Tamdhu, Speyside





Saladin-Keim-Kasten Technologie bei Bairds Malt in Inverness




Galland-Keim-Trommel Technologie bei Port Ellen, Islay




Galland-Keim-Trommel Technologie bei Glenesk, Montrose




Spuren in Schottland

In schottischen Destillerien wandelte sich die Malzproduktion mit dem steigenden Bedarf von der verbreiteten traditionellen Tennenmälzerei zu einem Saladin Box System. So manche Brennerei-Manager entschieden sich für Galland-Malztrommel-Systeme.


Eine kleine Auswahl:


  • Speyburn in der Speyside, war der schottische Pionier. Wohl 1905 kamen die Galland-Henning Drums aus Berlin nach Rothes. In ihnen keimte die Gerste bis 1968.

  • Burghead. Die Malting Drum Anlage wurde 1966 installiert. Die kommerzielle Produktion mit den 24 Robert Boby Drums begann 1968. Seit Anfang der 1970er Jahre mälzen dort insgesamt 48 Malztrommeln.

  • Port Dundas in Glasgow installierte eine Malztrommelanlage 1966. Im Jahr 2010 wurde die gesamte Distillery abgerissen.

  • Glen Grant in der Speyside. Dort wurden erst 1965 Saladin Keimkästen wirksam, in denen bis 1982 die Gerste keimte. Danach bezog die Brennerei das Destillation Malt kostengünstiger von den Insustriemälzereien.

  • Balmeanach in der Speyside wechselte 1964 von den Floor Maltigs zum Saladin System, das 1993 aufgegeben wurde.

  • St. Magdalene in den Lowlands produzierte den größten Teil des Malzbedarfs tradritinell auf der Tenne. Doch parallel mälzten die Mälzer wohl seit 1927 in einer experimentellen Malztrommelanlage die Gerste. Bis 1968 deckten sie den Malzbedarf selbst.

  • Die Glen Flagler Distillery in North Lanarkshire (Lowlands) installierte in den Jahren 1964 bis 1965 eine technisch modifizierte Saladin-Keimkasten-Anlage, die damals zu den größten pneumatisch betriebenen Malzherstellungssystemen in Europa zählte.

    Es wurde vielmehr eine sogenannte Wanderhaufen-Mälzerei betrieben, die große Mengen Malz vermälzen konnte. Das Moving Batch Malting System bewegte, bzw. wanderte in einem langen durchlüftenden Becken stets je nach Keimungsstand nach vorne. Mechanische Spiralwender lockerten das keimende Gerstenkorn auf und bewegten es gleichzeitig ein Stück näher zur Darre am Ende der Böden. Das keimende Gerstenkorn "wanderte" sozusagen allmählich in den Trocknungsbereich.

    Im Juli 1985 endete die Herstellung, die Produktionsanlagen der Mälzerei (endete 1978?) und der Brennerei wurden 1988 abgerissen, die Warehouses, Blending und Bottling Units sowie Headquarters von Inver House Distillers (Balblair, Balmeanach, Knockdhu, Old Pulteney, Speyburn) blieben erhalten.


Eine 1823 von Hugh Bairds & Sons gegründete Großmälzerei in Glasgows Vintner Street, die Vulcan Maltings wechselte um 1960 von den kostenintensiven Floor Maltings zu einem Drum Malting System. Es war die erste große industrielle pneumatische Trommelanlage eines Großmälzers im U.K. deren Trommeln sich allerdings ab 1966 nicht mehr drehten.


Siehe hierzu ausführlich meinen Artikel in Whisky & Drinks "Saladin in Scotland".




Zum Autor

Ernie - Ernst J. Scheiner ist der Herausgeber des Portals The Gateway to Distilleries www.whisky-distilleries.net  Er dokumentiert über 150 Destillerien fotografisch von innen und beschreibt detailliert die Produktion der Whiskies. Seit seinem Studium an der University of Edinburgh befasst er sich mit dem Thema Whisky und publiziert in Fachmagazinen

wie das Irland Journal, die Kleinbrennerei, Whisky Passion und The Highland Herold. Features und Stories erschienen in den Blogs whiskyexperts, whiskyfanblog und whiskyintelligence. Als Leiter der VHS Ingelheim führte, und als Whisk(e)y-Botschafter leitete er Destillations-Kollegs, Studienreisen und Whisky-Kultouren zu den Quellen des Whiskys.



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